Dienstag, 8. Mai 2018

#61 Muss es denn schwarz oder grau sein?

Das hier ist irgendwie ein Rant, irgendwie bin ich wütend und irgendwie traurig und irgendwie muss das einfach mal raus, weil es mich eigentlich schon so lange stresst. Und jetzt nervts mich halt so sehr, dass ich endlich mal Worte dafür suche. Und finde.

Ich bin seit Freitag krank zu Hause. Ja, mal wieder. Während ich in den letzten Monaten auch einfach oft Pech hatte (langwieriger grippaler Infekt, Blasenentzündung und andere Spaßigkeiten), hat es mich diesmal psychisch mal wieder richtig umgeworfen. Gründe gibts dafür mehrere. Ein paar Beziehungsdinge, die auf meine üblichen Muster trafen. Allgemein eine stressige Zeit, dadurch, dass durch meine Blasenentzündung vieles liegen blieb. Auf Arbeit wieder Themen, die mir auch am Allerwertesten vorbeigehen könnten, das aber nicht tun, weil ich - gerade wenn ich sowieso schon gestresst und angeschlagen bin - nicht so richtig in der Lage bin, mich abzugrenzen. Und dann kam am Donnerstag die Eröffnung, dass man mir zwar eine ambulante Therapie nahelegt, aber dass ich jetzt leider nochmal mit vier Monaten auf der Warteliste rechnen muss, denn die bisherigen fünf Monate seien ja nur die Warteliste für das Erstgespräch gewesen.
Hätte ich ja irgendwie ahnen können. Trotzdem bin ich damit schlicht und ergreifend vollkommen in mir zusammengefallen. Ich hab mich echt an dieser Sache festgehalten, in der Hoffnung, dass ich endlich ne Möglichkeit kriege, häufiger, stetiger und gezielter an meinen Themen zu arbeiten. Die Gespräche, die ich aktuell alle zwei Wochen führe, sind zwar auch hilfreich und wichtig und ich bin unsagbar froh, dass ich gleich am Freitag eins hatte, denn das hat mich wenigstens davor bewahrt, vollkommen im schwarzen Sumpf zu versinken. Aber dennoch - Das kanns doch einfach nicht sein, dass man Menschen mit psychischen Problemen so hängen lässt. Das macht mich gleichzeitig so traurig und so wütend, dieses Scheiß-System. Aber darüber könnte ich tagelang schimpfen und es würde auch nichts bringen. Also schimpfe ich lieber über andere Dinge, die mir wesentlich näher gehen. Und vor allem Dinge, über die ich immer wieder Angst habe zu sprechen.

Ich bin jetzt also zu Hause, die ganze Woche. Ich habe Freitag schon geahnt, dass es so kommt, weil ich mich mittlerweile gut genug kenne. Also nahm ich mir vor, dass ich gar nichts muss. Ich muss nirgendwo hingehen, ich muss gar nichts tun, wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht kann. Das ist sinnvoll, weil ich mir damit für den Moment den Druck nehme und überhaupt wieder ins Handeln komme - und sei es nur, dass ich plötzlich wieder die Energie finde, den Müll runter zu bringen. Aber dennoch sind diese Gedanken mit unglaublich viel Scham und Schuldgefühl behaftet. Denn wem kann man das denn erzählen, dass man freitags schon weiß, dass man montags vermutlich nicht arbeiten wird? Am Ende bin ich damit doch vor allem "die Faule, die sich schon mal ne freie Zeit geplant hat". Oder nicht?
Und dann gehts weiter mit den Gedanken eben dieser Kategorie. Ich bin also zu Hause und ich bin krank geschrieben, weil ich gerade depressiv bin. Darf ich denn jetzt in der Sonne sitzen und lesen? Darf ich draußen spazieren gehen? Darf ich den Tag schön finden? Darf ich Fotos davon machen und sie auf Facebook stellen? Darf ich abends tanzen gehen, wenn mich das von meinen Tränen ablenkt? Darf ich mit dem Mann meines Herzens irgendwo essen gehen und mich einfach nur darüber freuen, dass wir sind wo wir sind und dass es schmeckt? Darf ich mein Leben auch in Phasen der Depression irgendwie genießen oder muss dann einfach alles schwarz oder grau sein?
Natürlich darf ich. Ich darf all das, wer soll es mir verbieten? Jeder Psychologe, auch jeder Hausarzt, würde mir dazu raten, jetzt das zu tun, was mir gut tut und was mir dabei hilft, wieder auf die Beine zu kommen. Aber das, meine Lieben, ist eben nur die Theorie.
Dann kommt die Praxis um die Ecke und schlägt dir ins Gesicht. Da gibt's nämlich immer irgendwelche verständnislosen Arschgeigen. Und die sind davon überzeugt, dass du eben faul bist und keinen Bock hast. Die sehen in dir nur die Person, die gerade nix leistet und sich stattdessen bei schönem Wetter nen schönen Tag macht. Die Versagerin, die Memme, die Unkollegiale, die schlechte Freundin. Und ja, es gibt zum Glück nur sehr wenige dieser Menschen in meinem Leben. Aber die paar Wenigen, die sind meistens laut. Und es ist so schwer für mich, mich da abzugrenzen. Genau das ist ja irgendwie auch ein Teil meiner Problematik. Und wenn ich dann so müde und am Boden bin, wie das jetzt der Fall ist, dann kann ich es eben gar nicht mehr. Dann werde ich klein und lasse all diese Gefühle und Emotionen, all diese Äußerungen und Blicke nur noch über mich ergehen. Dann gebe ich auf, ziehe mich zurück, verkrieche mich.

Jetzt, da ich hier sitze und diese Worte tippe, bin ich unfassbar wütend über diese Umstände. Es macht mich endlos sauer, wie arschig Menschen sein können. Und auch, dass ich mich so schlecht wehren kann. Ich arbeite daran und das tue ich verdammt nochmal jeden Tag. Auch in den letzten Tagen habe ich wieder neue Dinge gelernt und erkannt und auch wenn sich das alles irgendwie nach abgef****** Sh*t anfühlt, weiß ich doch, dass es am Ende wenigstens noch zu irgendwas gut ist.
Aber was wirklich zu gar nix gut ist, das sind Menschen, die der Meinung sind, noch auf den Schwächsten rumhacken zu müssen. Menschen, die mich plötzlich ignorieren oder mir die kalte Schulter zeigen, weil ich in ihren Augen nicht funktioniere. Menschen, die vor ihren eigenen Problemen davonlaufen und einen Schuldigen brauchen, um nicht in den Spiegel schauen zu müssen.

Es ist das Gefühl, mich verstecken zu müssen hinter schwarzen Gardinen in einem dunklen Keller, das mich so wütend macht. Denn ja, verdammt, ich bin depressiv. Aber ich habe auch das Recht zu lachen. Gestern. Und heute. Und morgen auch noch. Und wenn ich mir zwischen all diesen Phasen in Schwarz und Grau einfach mal eine bunte Phase gönne, dann will ich mich nicht rechtfertigen müssen. Ist das schwer zu verstehen?

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