Dienstag, 17. Oktober 2017

#52 Vom Stehenbleiben.

Heute ist so ein Tag, an dem die Welt um mich herum rast. Alles ist in Bewegung, alles geht so verflucht schnell - und ich bewege mich in Zeitlupe. Wenn überhaupt. Es ist so ein Tag, an dem ich eigentlich alles in der Hand habe und zugleich fühlt es sich so an, als würde mir alles entgleiten. Ich verspüre den ganz großen Drang danach, weiterzukommen. Und irgendwas zu tun, was so wirklich ganz und gar ICH bin. Und ich habe keine Ahnung, was genau ich da eigentlich will.
Wie so oft ist es nur ein Gefühl, nichts was ich genauer einordnen kann. Aber es ist verdammt stark. Es fällt mir schon schwer, hier einfach nur zu sitzen und zu schreiben. Stattdessen will ich mich bewegen. Ich will irgendwas Großes tun. Irgendwas, das die Barrieren in meinem Kopf sprengt. Ich will mich irgendwo auf ein Feld stellen und schreien. Nackt in einen See springen. Irgendwas aus dieser Kategorie, die gleichzeitig verrückt ist und doch so gut. Ich wünsche mir einen dieser Momente, an die man sich ewig erinnert. Zumindest an das Gefühl.

Ich ahne, dass ich mich gerade mal wieder einfach selbst vergesse. Ich laufe zwar wie eine Maschine und das auf Vollgas, ich gehe Dinge an. Ich mache das, was gemacht werden muss. Aber genau das ist wohl auch der Punkt. Vielleicht mache ich zu oft das, was eben anfällt - und zu selten das, was ich wirklich will. Dann kommt dieses Gefühl von Enge auf, wenn gleichzeitig alles zu viel und dennoch zu wenig ist. So viel zu tun, so wenig ICH. Da stimmt was nicht.
Was dabei wirklich schwierig ist, ist wohl die Tatsache, dass ich mich so leicht von außen lenken lasse. Es kommt Input, ich nehme ihn an. Meistens verwandle ich ihn zu irgendwas Gutem - ich bin so unglaublich gut darin, Dinge für andere zu tun. Was dabei fehlt, ist mein eigener Input an mich. Und der kommt dann hoch in Momenten wie jetzt, an einem Dienstagabend, nach einem Tag voller Anspannung. Das Bedürfnis auszubrechen ist gerade so groß, dass ich mich am liebsten aus meiner eigenen Haut schälen würde. Aber was macht man damit, an einem Dienstagabend? Irgendwo mitten im Alltag, in einer festen Form, in der einfach nicht viel Platz für Verrücktheiten ist?

Heute Abend kann ich diese Frage wohl nicht besser als mit einem Glas Whisky, Sinhead O'Connor und dem Schwelgen in Erinnerungen beantworten. Aber ich kann mir zumindest vornehmen, all das nicht morgen gleich wieder vergessen zu haben. Und vielleicht kann ich mir einfach Dinge vornehmen, die sich so richtig nach mir anfühlen. Es ist mal wieder Zeit dafür. Ganz dringend sogar.

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