Mittwoch, 27. September 2017

#51 Fässer ohne Boden.

Und mal wieder ist ein Knoten geplatzt. Es hat knapp zwei Wochen gedauert, ungefähr so lange war ich jetzt mit einem merkwürdigen Druck auf der Brust unterwegs und hatte keine Ahnung, was genau das schon wieder ist. Erst dachte ich, ich bin einfach am kränkeln. In den letzten Tagen wurde mir aber immer klarer, dass ich wieder an irgendwas kaue. Und seit heute früh ist da plötzlich wieder Luft. Puh.

Es geht gleich um zwei Dinge.

Ersteres ist mir gut bekannt und geht ganz häufig mit neuen Erkenntnissen einher: Ich hab mich schon wieder viel zu sehr selbst vergessen in der letzten Zeit. So langsam werden mir auch die Indikatoren für diesen Umstand wieder so klar: Ich esse wieder zu viel. Ich fühle mich unwohl in meiner Haut und in meinem Körper. Und mein Terminkalender war voll bis zum Erbrechen.
Alles daran weist so eindeutig darauf hin, dass ich vor mir selbst davonlaufe. Zeit zum rumdrehen.

Zweiteres ist eigentlich auch nicht neu, aber manche Erkenntnisse muss man ja hin und wieder auffrischen wie es scheint.
Es geht um die Feststellung, dass meine Ängste Fässer ohne Boden sind.
Wie genau stellt sich das dar und wie kam ich drauf? Ich bin mal wieder auf einen Pflaster-Gedanken reingefallen. Wer mit Ängsten, insbesondere in Sachen Verlust, Verlassenheit etc. zu kämpfen hat, wird diese Gedanken vielleicht kennen. "Wenn wir erst ein Paar/ zusammengezogen/ verheiratet sind, wenn wir erst gemeinsam ein Haus gekauft haben, wenn wir erst mal ein Kind bekommen, dann... wird das alles leichter." Na, schon mal erlebt? Ich kenne das von mir, habe das aber auch schon oft bei anderen Menschen erlebt. Bewusst oder unbewusst, man sucht sich das nächste Etappenziel und redet sich ein, dass die Angst sicher verschwindet, wenn man es erreicht hat, weil das alles ja noch sicherer macht. Und es ist jedes Mal doch wieder ein Trugschluss. Natürlich wächst Vertrauen mit der Zeit, natürlich kann man darauf auch immer mehr bauen. Aber wenn die irrationale Angst sich erst mal breit gemacht hat im eigenen Kopf und der eigenen Brust, dann verschwindet sie eben nicht mit dem nächsten Step. Sie verändert sich. Passt sich an. Vielleicht nimmt sie auch ein wenig ab, aber sie ist noch da. Und so ist das eben mit dem Pflaster - es schützt für den Moment, aber es trägt nichts zur Heilung bei. Deshalb ist es nicht sinnvoll, sich eben diese davon zu erhoffen.
Ich will nicht sagen, dass ich dachte, dass plötzlich alles super ist, wenn wir erst zusammen wohnen. Aber vielleicht war ich doch ein bisschen naiv und habe gehofft. Und wenn dann der erste Moment kommt, in dem man feststellt, dass "die Scheiße ja immer noch da ist", dann fühlt sich das plötzlich nicht nur wie Enttäuschung an, sondern zugleich auch wie Versagen. Das wurde mir heute morgen sehr deutlich bewusst. Da kommen dann Sätze auf wie "Schau dir an was du alles hast, du müsstest doch so glücklich sein. Und trotzdem hast du wieder Schiss, trotzdem drehst du dich wieder im Kreis. Trotzdem erstarrst du wieder wegen Kleinkram. Was kannst du eigentlich?"
Hartes Selbst-Bashing ist ja meine Spezialität, gerade in solchen Situationen. Und auch heute war ich wieder vollkommen unangemessen hart zu mir selbst. Aber wenigstens hat es den Knoten zum platzen gebracht, ich habe es erkannt und genutzt. Ich weiß, dass meine Ängste sich nicht einfach verziehen werden. Und leider bin ich momentan noch in einer Art Warteschleife, bis ich dann irgendwann einen festen Therapieplatz habe und solche Situationen dann vielleicht zeitnaher und gezielter bearbeiten kann. Aber mir ist klar, dass ich das will. Und bis dahin tue ich eben was ich kann um mir selbst möglichst zu helfen.

Für heute beinhaltet das (leider), eine Verabredung abzusagen, auf die ich mich eigentlich gefreut hatte und einfach ein paar Dinge für mich zu tun, die ich zu lange habe schleifen lassen. Es ist ein Anfang... Oder vielmehr noch ein weiterer Schritt. Vielleicht eine weitere Stufe auf einer langen Treppe. Aber mir wird beim Schreiben nun mal wieder klar, dass man Fässer ohne Boden nicht bodenlos lassen muss. Und dass ich eigentlich schon längst angefangen habe, einen neuen und festen Boden zu errichten. Es dauert eben, gerade wenn man es gut machen will, man sich als Anfänger hin und wieder Splitter im Finger zuzieht oder es einfach Lieferschwierigkeiten beim Material gibt.
Zumindest ein Provisorium habe ich schon mal errichtet. Dass es hin und wieder wackelt und ab und an doch nochmal wie eine Falltür nach unten kippt - das ist eben so. Für diese Momente gibt es ja noch den Fallschirm. In diesem Sinne mal wieder Danke an meine Herzensmenschen. Ihr seid gemeint. ;)

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