Mittwoch, 26. Juli 2017

#47 Die Antwort.

Fast drei Jahre ist es her, dass ich zwei meiner Einträge dem Thema "Liebe" und der Frage danach, ob es sie gibt und was sie ausmacht gewidmet habe. Ich habe stark gezweifelt damals, bin wirklich hart ins Gericht gegangen mit diesem Gefühl und Beziehungen/Partnerschaften im Allgemeinen.
Es ist viel passiert seitdem. Ich habe alle möglichen Gefühle und Emotionen durchlebt und vor allem habe ich mich auch in ganz großem Rahmen der Frage gewidmet, was ich eigentlich für mich will und brauche, wie meine Basis aussieht, was essentiell ist. Fertig bin ich damit nicht, aber ich habe sehr nützliche Antworten gefunden.

Ich weiß jetzt, dass alles bei mir selbst anfängt. Wie will ich einem anderen Menschen irgendwas geben, wenn ich selbst nichts habe? Wenn ich nichts für mich übrig habe? Ich hatte das damals schon vermutet, dass dies die Grundlage ist, aber mittlerweile habe ich es erfahren, erlebt. Wenn ich nicht bei mir bin, wenn ich mich von mir entferne, dann hat alles andere keine Chance. Also geht es immer darum, sich selbst Wertschätzung, Respekt, Mitgefühl und auch Liebe entgegen zu bringen. Was wirklich nicht immer leicht ist. Ich habe immer noch genügend Tage, an denen ich unsagbar hart mit mir selbst ins Gericht gehe. Das sind dann auch die Tage, an denen mein Partner wenig von mir bekommt, sondern meist draufgeben oder zumindest aushalten muss.

Und dann gibt es noch die anderen Tage. Tage wie heute. Die auf Tage wie gestern folgen.
Ich habe hart gekämpft mit mir gestern. Ich war fies, brutal, gnadenlos. Ich habe wieder gemauert, mich ein- und alle anderen ausgesperrt und alles abgeblockt, was auch nur irgendeine Gefühlsregung hätte hervorbringen können. Bis ich mich entschied, meinem Problem, meinem Schmerz, meiner Angst ins Auge zu blicken. Ich habe Fragen gestellt und gespürt, dass die Antworten gleichzeitig gut und weh taten. Und dann habe ich damit gearbeitet.
Gestern Abend habe ich zum ersten Mal seit Wochen gnadenlos ehrlich einem sehr sehr lieben Menschen all das ausgebreitet was mich innerlich manchmal echt zu zerreißen droht, bis ins Detail. Ich habe Scham- und Schuldgefühle überwunden und einfach alles rausgelassen, viele viele Tränen geweint und mich danach gleichzeitig zutiefst verletzlich und dennoch sicher gefühlt.
Heute Morgen überkam mich der Sturm noch ein letztes Mal, dann kehrte Ruhe ein. Und sie kam in dem Moment, in dem ich feststellte, dass es meinem Partner, der in den letzten Tagen wirklich einige Breitseiten von mir mitnehmen musste, besser ging. Ich las es zwischen seinen Zeilen. Ich konnte es fühlen. Und noch während ich dachte, dass in mir eigentlich gerade jetzt die Hölle los sein müsste, weil da immer noch so vieles offen ist und weil ich immer noch so unsicher bin, wurde mir klar, dass diese Ruhe, die mich gerade erfüllt, besonders ist. Dass das, was hier gerade passiert, das ist, was andere Menschen "Liebe" nennen.

Wenn man den Hintergrund meines Kampfes nicht kennt, klingt das vermutlich etwas verwirrend. Also will ich versuchen, meine für mich neu gewonnene Definition von Liebe in klare Worte zu fassen.

Liebe ist mehr als Verlangen und kurzzeitige Verbindung. Liebe ist das, was dich auch Stunden, Tage oder Wochen später noch erfüllt.
Liebe ist es dann, wenn du nicht forderst und verlangst, sondern wenn du sanft bittest.
Liebe ist es, wenn du auch mit einem Nein leben kannst, weil du weißt, dass der Andere für sich Prioritäten setzen muss.
Liebe ist es, wenn du dich erleichtert fühlst weil der Andere erleichtert ist.
Liebe ist es, wenn du für euch kämpfst ohne dich dabei selbst aufzugeben.
Liebe ist es, wenn du nicht musst, sondern willst. Wenn du nicht fliehst, sondern dich stellst. Wenn du spürst, dass aufgeben zwar leichter, aber einfach nicht sinnvoll wäre.
Liebe ist es dann, wenn dich sowohl das Lachen als auch die Tränen des anderen in gleichem Maße berühren. Wenn du den Menschen dir gegenüber ansiehst und weißt: Ich würde Berge versetzen für dich. Ich würde mit dir durchs Feuer gehen. Ich will die Welt schön machen für dich. Und ich würde mich bei alldem nicht selbst verlieren, sondern finden.
Es geht nicht um Besitzansprüche, nicht darum, den Anderen nach eigenen Wünschen zu formen. Es geht darum, fasziniert zu sein davon, wie der Andere ist. Darum, neugierig zu sein auf alle Facetten, die den Anderen ausmachen. Darum, Erfolge gemeinsam zu feiern und Verluste gemeinsam zu betrauern. Es geht um Verbundenheit, die nicht durch Ketten entsteht.

All das habe ich gefühlt, heute morgen in diesem Moment, in dem die Ruhe einkehrte. All das fühle ich seit Wochen, doch ich habe eine Weile gebraucht, um mir dessen so gewahr zu werden. Und jetzt, da ich es bin, sind meine Ängste und Sorgen zwar nicht weg, doch ich muss lächeln während ich sie betrachte, weil ich weiß, dass ich stärker bin und dass meine Ziele größer sind. Und dass ich auch den nächsten Sturm überstehe.

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