Dienstag, 25. Juli 2017

#46 Open up.

Ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit von der Monogamie verabschiedet. Dachte ich zumindest. Doch wie mir jetzt klar ist, ist dieser Abschied nicht mit einem kurzen Winken und einem "Danke für die schöne Zeit!" getan.

Dieser Entschluss ändert vieles für mich. Das Gefühl absoluter Freiheit ist der erste Nebeneffekt. Ich umarme dieses Gefühl mit jeder Faser meines Körpers, mit allem was ich bin. Wie ich ja zuletzt schon öfter schrieb, ich war noch nie so sehr ich. Und ich würde das nie wieder missen wollen.

Dann gibt's da noch die andere Seite. Denn offen zu leben betrifft ja nicht nur mich. Genauso gestehe ich auch meinem Partner alle Möglichkeiten zu. Genauso will ich, dass auch er diese Möglichkeit hat, sich so frei zu fühlen wie ich es jetzt endlich kann. Und das geht - offensichtlich - nicht, ohne ein Stück harter Arbeit an mir.
Dass es nicht mal eben easy wird, habe ich mir schon gedacht. Ich bin ein Mensch mit massiven Baustellen, die nicht eben erst entstanden sind. Da sind viele alte Glaubenssätze und Muster, die den Weg ziemlich steinig machen.

Aus der Monogamie brach ich aus mit dem Gefühl, jetzt, in dieser neu gewonnenen Freiheit, alles schaffen zu können. Ich habe tatsächlich geglaubt, dass es mich weniger berührt als ich dachte, wenn der Mann an meiner Seite sich andere Optionen sucht.
Was ich dabei nicht bedacht hatte - große Gefühle und intensive Verbindungen machen nicht alles immer leichter.
Verlustängste, das Gefühl fehlender Kontrolle, die Angst davor vergessen zu werden - all das gewinnt mehr an Macht, wenn man gleichzeitig das Gefühl bekommt, mehr zu verlieren zu haben.
Jetzt bin ich also hier, in dieser großartigen Beziehung mit diesem großartigen Mann. Ich habe noch nichts Vergleichbares erlebt. Ich bin wirklich und ehrlich glücklich.
Und wie das so läuft mit mir und meinen Ängsten - sehr zeitnah stellt sich die Sorge ein, das wieder zu verlieren. Und damit kommt logischerweise auch die Frage auf, wie ich das verhindern kann.
Die Antwort ist simpel und diffizil zugleich. Leben. Sein. Sich den Dingen stellen. Kommunizieren. Offen sein. Den Drang nach Kontrolle überwinden. Vertrauen fassen. Vertrauen haben. Lieben. Vor allem lieben. Mich. Ihn. Uns.

Die Gedanken und Ängste in diesem Zusammenhang haben mich die letzten Wochen Mal wieder getrieben. Ich war nicht wirklich in der Lage, ihm einfach zu sagen was mich umtreibt, weil ich mir und meinen Ansprüchen gerecht werden und ihn gleichzeitig nicht enttäuschen wollte. Stattdessen schwieg ich - oder erzählte nur Fetzen vom großen Ganzen. Und enttäuschte uns damit gleich beide.
Sie ist so tückisch, die Angst. Wie oft hat sie mich schon weggetrieben von dem, worum es wirklich geht? Und dennoch schafft sie es immer wieder.
Doch ich werde besser. Sie treibt mich nicht mehr so weit, ich bin wehrhaft und immer noch stur. So verdammt stur. Und deswegen lasse ich mich am Ende nicht unterkriegen. Weil ich dieses Leben will. Weil ich ich sein will. Weil ich ihn genau so an meiner Seite wissen möchte, wie er ist. Und wenn es dafür Steine aus dem Weg zu räumen gilt, dann tue ich das. Das hier ist nämlich mein Leben. Und auch wenn ich das viel zu oft vergesse: ich entscheide hier. Heute und morgen. Und übermorgen immer noch. Fernab aller Ängste weiß ich nämlich, dass ich mich immer wieder so entscheiden würde. Für die Freiheit.

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