Samstag, 17. Juni 2017

#42 Regeneration.

Ich bin allein. Ich war ziemlich viel allein in den letzten 1 1/2 Wochen. Und ich merke deutlich, wie wichtig das gerade ist. Ich habe den Pause-Knopf gedrückt.
Letztes Wochenende habe ich schon sehr viel Zeit nur mit mir und für mich verbracht. Aber offensichtlich hat das nicht gereicht. Montag musste ich von der Arbeit früher nach Hause gehen, weil ich einfach völlig fertig war und die Augen kaum noch offen halten konnte. Dienstagmorgen bekam ich Schweißausbrüche und schlief fast im Türrahmen ein, als ich dann wieder im Büro war, weshalb ich nur ein, zwei Dinge erledigte und dann wieder nach Hause ging. Und da blieb ich den Rest der Woche.

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt so unglaublich erschöpft gewesen bin. Kleinigkeiten sind unglaublich anstrengend, Menschen sind teilweise schwer zu ertragen. Aber wenn ich jetzt mal zurückschaue, wird mir auch klar, dass ich die letzten 3 Monate quasi durchgängig auf Volldampf gelaufen bin. Fast jeden Tag irgendwas im Kalender, immer unterwegs, immer on the road. Und dazu immens wenig Schlaf, meist 3-5 Stunden pro Nacht. Nicht vorsätzlich, sondern weil mein Körper einfach so lief. Egal wie früh ich schlafen ging, ich wachte eben auch immer wieder viel zu früh auf. Selbst in der letzten Woche und trotz der immensen Erschöpfung fiel es mir super schwer, einfach mal auszuschlafen.

Es kam so unglaublich viel zusammen in der letzten Zeit, gerade emotional gesehen habe ich Meilen zurückgelegt. Gleichzeitig habe ich mich in den Trubel gestürzt, um mit meinen geradezu beängstigend großen Schritten nicht allein sein zu müssen. Für den Moment war das alles gut so, offenbar hatte ich die Kraft dazu ja irgendwie. Aber manchmal merkt man eben nicht, dass man gerade schon hart an den eigenen Reserven kratzt - bis sich dann irgendwann der eigene Körper vehement bemerkbar macht und das Ende der Kräfte ansagt.
Hätte ich das kommen sehen können? Vielleicht. Aber viel ändern können hätte ich vermutlich nicht. Zuletzt lief ich auch eher noch automatisch, einfach weil da so viel los war in mir. Das hat sich letzte Woche (vgl. letzter und vorletzter Blogpost) dann in jeglicher Hinsicht entladen.
Ich komme mir dabei irgendwie ein bisschen vor, wie ein verrückter Wissenschaftler, der eine Idee hat, Tage und Nächte im Labor verbringt, nur das eine Ziel vor Augen, immer weiter und weiter - und dann: Heureka! Um anschließend erschöpft zusammenzubrechen.
Rückblickend scheint das irgendwie mein Rhythmus zu sein und immer wieder ähnlich abzulaufen. Doch die Abstände werden länger, die Wellen flacher und die Emotionen weniger bedrohlich. Die Arbeit, die ich in den letzten Jahren hart investiert habe in mein Verständnis von mir selbst, trägt so langsam Früchte. Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber es wäre auch maßlos überzogen, von mir selbst zu erwarten, dass jetzt alles perfekt läuft. Also betrachte ich die Fortschritte einfach als solche und fühle mich daher tatsächlich beruhigt.

Ich habe ein bisschen Angst davor, am Montag wieder in den Alltag zurückzukehren, weil ich irgendwie befürchte, dass ich den Ansprüchen nicht genügen kann - meinen eigenen und denen meiner Umwelt. Auch wenn meine Kollegen und Freunde zum größten Teil wissen wie ich ticke, kostet es mich doch immer wieder Überwindung, offen zu kommunizieren, dass ich gerade nicht so leistungsfähig bin wie ich es gerne wäre.
Bis dahin werde ich einfach versuchen, mir selbst noch möglichst viel Gutes zu tun. Das hat in den letzten Tagen schon verblüffend gut geklappt. Ich habe sehr viel schöne Musik gehört, momentan stehe ich total auf instrumental (z.B. sowas) und auf episch (oder sowas). Ich habe Hörbücher gehört, ich habe sogar gelesen (was ich in den letzten Jahren nur sehr selten konnte, weil lesen immer als erstes wegfällt, wenn emotional viel los ist bei mir). Ich habe Eistee selbst gemacht und bin tatsächlich ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis. Ich war einkaufen und spazieren, immer mit Musik in den Ohren. Und ich habe es wirklich genossen, einfach nur mal mit mir und für mich zu sein. Und nicht mehr wegzulaufen vor allem, was da in mir vorgeht. Da ist es wieder, dieses "Wachstum". Und egal wie schnell es manchmal geht und wie groß und beängstigend es scheint - ich kriegs hin. Das ist so schön!

1 Kommentar:

  1. Schön zu lesen, das du wieder da bist und dich erholen konntest.

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