Dienstag, 29. November 2016

#33 My Awakening.

Das Jahr ist noch nicht ganz an seinem Ende angekommen, aber dennoch schaue ich in der letzten Zeit immer öfter zurück. Und das, was ich da sehe, ist so viel, so gewaltig. Und es bewegt mich so sehr, dass ich schon jetzt einen Rückblick wagen möchte.

2016 hat merkwürdig angefangen. Ich kam gerade aus einer Diät, in der ich mich ewig gegeißelt hatte, hatte dermaßen die Schnauze voll davon und wollte endlich wieder Mensch sein.
Ich befand mich in einer Beziehung, von der ich eigentlich gedacht hatte, dass ich mich wirklich dafür entschieden hatte.
Ich war ein Einsiedlerkrebs. Wenig echtes Leben, viel zocken. Hauptsache, ich hatte meinen Schutzpanzer.
Ich dachte, ich fühle mich wohl. Aber irgendwas in mir nagte und zeterte und gab mir das Gefühl, dass einfach was nicht stimmt.

Dann machte ich den ersten Schritt und begann mit dem intuitiven Essen. Plötzlich hörte ich auf mich. Ich führte innere Dialoge. Und hatte das Gefühl, ich suche zum ersten Mal wirklich nach Lösungen.
Ich stieß auf die Youtube- und Instagram-Szene, setzte mich mit Selbstliebe, Veganismus, Minimalismus, der Rückkehr zu einem natürlicheren Leben und am meisten mit mir selbst auseinander. Natürlich war nicht alles nur Gold, es gab Ups und Downs und mittlerweile habe ich mich auch daraus wieder weitestgehend zurückgezogen, aber alles was ich so sah und hörte, gab mir Anstöße für mein Leben.

Den zweiten großen Sprung nach dem intuitiven Essen machte ich im April. Ich verabschiedete mich von hormoneller Verhütung. Und ich kann immer noch nicht richtig fassen, was das mit mir gemacht hat.
Meine Hormone tanzten über Monate Tango mit mir, ich hab alle Absetzerscheinungen quer durch die Bank durch. Nach 8 Monaten stabilisieren sich so langsam endlich meine Zyklen und meine Emotionen pendeln sich ein.
Aber eine "Erscheinung" ist so bemerkenswert, dass ich es selbst nicht wirklich fassen kann. Innerhalb kürzester Zeit verschwand mein Bedürfnis nach Isolation. Ich wollte Menschen sehen. Ich wollte raus. Leben. Wieder was fühlen. Und was zu erzählen haben.
Diese Feststellung schrieb ich hier nieder, vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch. Und ebendieser Eintrag öffnete Tür und Tor für etwas, das ich einfach niemals vermutet hätte. Für jemanden.

Wie oft passiert es, dass man wirklich auf einen Menschen trifft, von dem man denkt: "Du bist die Liebe meines Lebens!" und weiß, dass das nicht einfach nur Worte sind?
Wie oft passiert es, dass man so eine Liebe in Trümmer schlägt, weil der Zeitpunkt und die Lebenssituation einfach zu nichts anderem führen konnten?
Wie oft ist man sich sicher, dass das einfach nichts mehr werden kann, dass es endgültig ist?
Und wie oft kommt dann Jahre später der Moment, in dem man bemerkt, dass man eine zweite Chance bekommt?

Den Moment, in dem ich begriff, dass ich ihn immer noch liebe, werde ich nie vergessen. Diesen unfassbaren Sommerabend, an dem mich meine Gefühle von hinten ansprangen, mir eine mit dem Hammer überzogen und mich für einige Momente vollkommen aus der Bahn warfen. Ich hab es nicht kommen sehen. Aber da waren wir. Mehr als vier Jahre später. Und wir haben es gewagt.
Es gab so viele alte Ängste auszuräumen, so viel Dreck durch den wir uns gewühlt haben. Dazu all meine Problematiken, die bisher in jeder Beziehung über mich hineinbrachen. Viel Schweiß, viele Tränen, viel Angst. Und noch mehr Mut, Verständnis, Liebe. Der Schlüssel zum hier und jetzt heißt: Bedingungslose Ehrlichkeit. Kompromisse finden. Sich die Hände reichen. Und Liebe. Mehr als alles, Liebe.

Mit ihm kehrten so viele Menschen zurück in mein Leben. Menschen, die ich schmerzlich vermisst habe ohne es mir einzugestehen. Dazu kamen neue Gesichter. Noch mehr Liebe.
Das Rollenspiel, einst eines meiner größten Hobbies, fand ebenfalls den Weg zurück zu mir. Und ich genieße es mehr als je zuvor.

Und heute sitze ich hier. Ich habe so viel erreicht in diesem Jahr. Ich kann wieder normal essen. Ich kann feiern. Ich habe so viele Menschen, die ich nicht mehr missen will. Ich habe mich verletzlich gemacht, in vielerlei Hinsicht und ich bereue nichts davon. Ich führe eine Beziehung zu einem Mann, der weder hunderte Kilometer entfernt noch in derselben Wohnung wohnt und habe damit endlich ein altes Muster ausgeräumt. Ich arbeite an meinen Baustellen, jeden Tag ein Stück mehr. Allein. Und mit ihm. Und ich ernte die Erfolge. Mein Leben ist auch jetzt noch immer wieder anstrengend, das hört wohl nie auf. Aber ich lebe. Ich liebe. Ich kann wieder aus ganzem Herzen lachen. Und vor allem fühle ich mich endlich zu Hause. Ich wollte immer ankommen. Ich bin angekommen.
2016. Ich bin aufgewacht. Wartet ab was noch so passiert, wenn ich dann 2017 aufstehe.

Bottoms up tonight, I drink to you and I
'cause with the morning comes the rest of my life
And with this empty glass, I will break the past
'cause with the morning I can open my eyes
I want this to be my awakening

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