Sonntag, 28. August 2016

#32 Wankende Welten.

Ich wurde vor nicht allzu langer Zeit darauf hingewiesen, dass es schwer nachvollziehbar sei, dass ein Mensch wie ich sich mehrere Jahre lang vor der Welt da draußen versteckt gehalten hat. So eine Freundin wie mich bräuchte jeder.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich nur schwer erklären können, warum ich mich aus allem zurückgezogen habe. Natürlich wusste ich, dass ich mit gewissen Problemen zu kämpfen hatte. Dass ich Prioritäten hatte, insbesondere beruflicher Natur, die mich so viel Kraft gekostet haben, dass ich diesen Rückzug aus allem anderen für mich als unvermeidlich angesehen habe. Aber jetzt weiß ich, dass ein anderer Punkt noch eine ganz immense und bedeutende Rolle gespielt hat: Wer nicht viel hat, kann auch nicht viel verlieren.

Ich habe in dieser Zeit nur Freundschaften auf Distanz gepflegt. Die meisten Leute, mit denen ich zu tun hatte, kannte ich durchs zocken, Kommunikation fand immer nur über das Internet und damit auch mit gewissem Abstand statt. Ich habe nur wenige nahe Bindungen aufgebaut und selbst diese waren nicht vergleichbar mit dem, was mir in den letzten Monaten begegnet ist.

Das Gefühl, Menschen wieder andauernd und ohne Einschränkungen nahe zu sein, ist schön und beängstigend zugleich. Es gibt wieder Bindungen in meinem Leben, die mir unglaublich wichtig geworden sind. Ich lasse mich wieder ein, so richtig. Und ich riskiere damit auch zugleich etwas. Ich mache mich verletzlich.
Eigentlich ist das etwas, das mir gar nicht fremd ist. Ich vertraue schnell, ich öffne mich schnell. So war ich schon immer. Zuletzt eben mit dieser selbst gewählten Einschränkung der Netz-Unverbindlichkeit dazwischen, aber ich habe das schon immer gekonnt. Und jetzt, da ich angefangen habe, meine selbst auferlegte Grenze der Internet-Anonymität und der Distanz zu überwinden, kam ich auch schnell wieder in den Genuss dessen, was man echten Schmerz nennt. Dessen, was man Verlustangst nennt.
Bevor ich abgetaucht bin, gab es einige Streitigkeiten. Ich habe Freunde verloren. Und scheinbar habe ich daraus die Konsequenzen entsprechend gezogen: Zieh dich zurück, lass dich nicht mehr ein, das passiert dir so schnell nicht nochmal.

Ich habe den Rückzug überwunden. Und jetzt wünschte ich ein Stück weit, ich hätte es nicht getan. Ich bin wieder in einer Situation, an der ich das Gefühl habe, dass mir alles entgleitet. Es gibt zwei Menschen, die mir viel zu schnell viel zu wichtig geworden sind. Und auch wenn ich nicht sicher bin, auch wenn ich nicht wirklich wissen kann, was jetzt kommt ... ich sehe sie gehen. Und ich sehe, dass das weh tut. Viel mehr als es sollte ... dürfte. Viel mehr als ich jemals wieder zulassen wollte. Ich habe nicht das Gefühl, als könnte ich irgendwas tun oder sagen, um das besser zu machen. Und vielleicht will ich gerade auch gar nichts tun. Ich bin kurz davor, meiner "siehste, musste ja so kommen"-Stimme nachzugeben und einfach abzuwinken.
Ich weiß, um Freundschaften sollte man kämpfen. Aber irgendwas in mir sagt gerade, dass ich es sowieso nur falsch machen kann. Ein Teil von mir will einfach nur resignieren, kein weiteres Risiko eingehen. Sich sicher sein, dass es halt scheiße, aber dafür wenigstens berechenbar scheiße wird.
Der andere Teil von mir ist leise. Die Stimme, die sagt, dass es sich lohnt zu kämpfen, dringt momentan kaum zu mir durch. Größer ist nur die Angst vor Ungewissheit.
Angst ist nie ein guter Berater, ich weiß das. Aber heute Abend ist sie stärker. Ich hoffe, das ändert sich morgen. Ich hoffe, ich finde irgendwie den Mut mich aufzurappeln. Ich hoffe, das Gefühl, dass es das wert ist, kommt zurück. Bis dahin kann ich nur aushalten. Und hoffen, dass ich nicht doch davonlaufe.

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