Donnerstag, 28. April 2016

#22 Chaos und Ordnung

Habt ihr sie auch, die zwei Seelen in eurer Brust?
Ordnung vs. Chaos, Festhalten vs. Loslassen, Zusammenreißen vs. Entgleisen, Gewohnheit vs. Abenteuer.
Sie haben wild gefochten. Und am Ende gewann ich.

Wieso dieses Thema?
Es ist mal wieder ein Mensch neu in mein Leben getreten. Einer, den ich liebevoll mit "Personifiziertes Chaos" beschreiben würde (es gibt da noch eine ganz bestimmte Menschin in meinem Leben, die dürfte sich an dieser Stelle ebenfalls passend bezeichnet fühlen und ein bisschen schmunzeln ;)). Und er hat was mitgebracht, was ich als unfassbar notwendige Erkenntnis einordne.
Kennt ihr das, wenn ihr jemanden neu kennenlernt, der erzählt dann so von sich und seinem Leben, davon was er so macht, welche Entscheidungen er so trifft, etc. pp. und dann wird euch irgendwie klar, dass dieser Mensch jetzt gerade ziemlich so ist, wie ihr es mal wart? - So geht es mir aktuell. Ich war nie personifiziertes Chaos, wirklich nie. Aber ich war vieles Anderes und ich bin fast erschrocken, als ich feststellte, wie viel davon ich scheinbar verlernt, irgendwo auf dem Weg verloren, vergessen oder verdrängt habe. Und mit dieser Erkenntnis begann der innere Kampf.

Die letzten drei Jahre habe ich in hochmotiviertem Streben nach Sicherheit und Stabilität verbracht. Egal ob Job, Wohnung, Partnerschaft, Lebensplanung, Ernährung, Sport, zwischenmenschliche Beziehungen ... alles war vor allem darauf ausgerichtet, dass ich in irgendeiner Art und Weise Kontrolle ausüben konnte. Alles musste ordentlich sein, alles mit System. Von allem musste immer genug da sein, für den Notfall. Alles musste irgendwie planbar sein. Abweichungen waren nicht vorgesehen. Was nicht nach meinem Plan verlief, musste eben zurechtgebastelt werden.

Diese Phase entstand heraus aus einer vorhergehenden Zeit, die von beinahe umheimlichem Chaos geprägt war. Von Umbrüchen in einem Ausmaß, dass mir heute noch ganz schwindelig wird, wenn ich dran denke, was ich da so fabriziert habe. Und vor dieser Zeit gab es wiederum eine Phase, die vom Sicherheitsbedürfnis gelenkt war. So ging das eigentlich schon mein ganzes Leben lang - dieser Wechsel zwischen beiden Seiten. Mal stärker und mal schwächer. Meistens stärker. Vergleichbar mit einem Pendel mit unglaublicher Schwungkraft. Und vor allem: Unbewusst. Ich kam gar nicht mit mit meinem Leben. Ich hab oft gar nicht geschnallt, was da eigentlich mit mir passiert. Wo das alles herkommt. Was es mir sagen will. Ich habe immer gedacht, mit mir ist irgendwas kaputt. Und jetzt ist wieder ein Umschwung da. Und der wird anders. Weil ich voll dabei bin. Weil ich spüre was passiert. Weil ich es bewusst wahrnehme - und weil ich es will.

Ich hab so vieles von mir vergessen. Meine Liebe zur Musik war mir zwar noch bewusst, aber ich hatte die Vielfalt vergessen, die in mir schlummert. Ich hab vergessen, dass ich Festivals und Tanzen liebe. Dass es toll ist, nachts verschwitzt und mit Bier in der Hand vom Feiern nach Hause zu gehen, sich den Sternenhimmel anzusehen und dabei irgendwelche Lieder vor sich hin zu lallen. Dass ich mich gerne mit anderen Menschen umgebe. Gerne lache und scherze und dabei auch mal über die Stränge schlage. Dass man Humor auch mal echt derbe und schwarz und fies sein kann. Dass ich eigentlich ein Schelm bin, ein Schlitzor, ein Kindskopf. Dass ich wildes Rumspinnen und Phantasieren liebe. Dass spontan ins Auto steigen und ans Meer fahren ganz große Liebe ist. Dass es nichts gibt, was mich mich selbst mehr spüren lässt, als dieser Moment, in dem ich einfach was riskiere. Dass das Leben da draußen ist. Und gleichzeitig hier drinnen.

Ich kriege Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, wie viele Möglichkeiten mir diese Welt und dieses Leben eigentlich bieten. Natürlich, ich werde jetzt nicht von heute auf morgen zum dauerhaften Weltenbummler. Ich werde auch nicht mal eben meine Introversion ablegen und nur noch extrovertiert sein. Aber ich habe vor, unbedingt wieder mehr von allem in mein Leben zu lassen. Ich will endlich mal wieder Vielfalt erleben.
Natürlich macht mir diese Aussicht auch unglaublich Angst, denn ich werde Dinge riskieren müssen. Ich werde mich raus bewegen müssen aus meiner unglaublich akribisch zusammengeschusterten Comfortzone. Und das wird ganz sicher nicht leicht. Aber wenn mir die letzten Wochen eines gezeigt haben, dann dass es unglaublich tolle Menschen in meinem Leben gibt, die mich auf diesem Weg mit Freude begleiten, egal wie doof und anstrengend ich manchmal bin. Ich liebe euch, Leute. Ich hab sogar angefangen, ein Diagramm zu zeichnen mit all den Personen, denen ich vertrauen kann. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schnell es wächst. Und wie gut das tut!

Wie konnte ich das alles bloß vergessen?

Zwei Seelen in meiner Brust. Ein großer Kampf. Am Ende reichten sie sich die Hände. Und jetzt beginnt mein wahres Leben. Ich habe jetzt schon gewonnen.

1 Kommentar:

  1. Liebe Michael, immer wieder schön zu lassen. Aber ich habe mit der Farbkombination arge Probleme. Vielleicht findest du andere Farben. LG Angelika

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