Sonntag, 3. April 2016

#18 Von der Wichtigkeit bequemer Kleidung. Oder: Wie ich versuchte, mir meine Brüste unters Kinn zu schnallen.

Es gibt wohl tausende Dinge, die wir irgendwie nutzen können, um unsere Selbstoptimierung voranzutreiben und irgendwelchen Idealen zu entsprechen, von denen wir eben glauben, sie seien erstrebenswert. Viele Zweige der Selbstoptimierung ziehlen rein auf die Optik ab - auf unser äußeres Erscheinungsbild. Darauf, wie andere uns sehen - oder wie wir glauben, dass sie uns sehen. Und vor allem hat es damit zu tun, wie wir uns selbst sehen.
Wie gesagt, es gibt viele Aspekte. MakeUp und Schönheits-OPs sind welche, mit denen ich mich vielleicht irgendwann auch mal in einem Blogeintrag auseinandersetzen werde, aber heute will ich mich mal mit einem Aspekt befassen, den wirklich jeder kennt: Kleidung.

Kleidung, das ist so eine Hassliebe. Jeder kennt wahrscheinlich die Lieblingshose und das Lieblingsshirt, in denen man sich so richtig wohlfühlt. Und auch das Gefühl, wenn man gerade irgendwas Neues gekauft hat, was einem super steht und gefällt. Die neuen Klamotten auf eine Party oder zum tanzen "auszuführen" und sich zu zeigen.
Aber wahrscheinlich kennt auch jeder ewig stressige Shoppingtouren, das Gefühl, nix zu finden, den Blick die tausend überkritischen Blick in den Spiegel bei unfassbar schlechter Umkleidenbeleuchtung, Klamotten, die vollkommen unbequem sind aber halt irgendwie gut aussehen und, am allerschlimmsten: Die "Da will ich irgendwann wieder reinpassen"-Klamotten.

Ich hab mich nun in den letzten Wochen ein bisschen mit Minimalismus befasst und damit, dass weniger oft mehr ist. Vor allem damit, dass "zu viel" einen oft auch belastet und man das manchmal gar nicht so richtig merkt. Und dabei habe ich also auch mal meinen Kleiderschrank unter die Lupe genommen.
Es gibt zig Methoden, nach denen man so eine Entrümpelungsaktion durchführen kann. Ich hab mich entschieden für: Alles aufs Bett, alles einmal anprobieren. Was nicht passt: weg! Was nicht gut aussieht: weg! Was sich nicht gut anfühlt: weg! Dinge bei denen ich unsicher war, landeten in der "in ein paar Wochen/Monaten nochmal reinschauen"-Schublade. Und alles was gut war, fand mit neuer Ordnung seinen Weg zurück in den Schrank.

Beim Ausmisten sind mir dann auch ein paar Gründe aufgefallen, die in besonderem Maße dazu geführt haben, dass ich Zeug im Schrank hatte, das ich eigentlich gar nicht leiden konnte. Und das waren vor allem:

  • "Da will ich irgendwann wieder reinpassen!" - Meine Güte, sowas Dämliches. Ich meine, im Ernst mal, man sagt dann immer, das sei "Motivation", aber wenn ihr euch das Teil anschaut, euch alle paar Wochen in die zu enge Jeans zu quetschen versucht, um zu merken, dass ihr immer noch nich reinpasst ... motiviert euch das? Bei mir lösen diese Klamotten, wenn ich ehrlich bin, eher solche Gedanken aus wie "Siehste, so schlank warste mal! Jetzt geh gefälligst trainieren und sieh zu dass du da wieder reinpasst, du hässliche fette Planschkuh!" Unfassbar motivierend ... not. Also: Weg mit dem Zeug!

  • "Aber das macht so nen schönen Hintern/schöne Brüste/lange Beine(tbc...)!" - Ich will gar nicht wissen, wie lange ich irgendwelches PushUp-Zeug getragen, meine BHs immer auf ganz eng und meine Träger möglichst kurz geschnallt habe. Immerhin gibt es ja das Ideal, Brüste müssten nicht nur "groß genug" sondern vor allem auch "möglichst hoch angesetzt" und "möglichst dicht beeinander" sein. Ich habe also regelmäßig versucht, mir meine - eben weiter unten und auch weiter auseinander gewachsenen, eigentlich recht schönen - Brüste bis unters Kinn zu schnallen, um irgendwelchen Idealen zu entsprechen. "Du hast doch so viel, zeig doch mal was davon!" Als wäre ich weniger weiblich, nur weil ich nicht ständig mit nem Dirndl-Balkon durch die Gegend laufe. Übrigens hat mir diese Vorgehensweise vor allem verkrampfte Schultern und Nackenschmerzen gebracht. Glücklicherweise hab ich das also überwunden.Genauso hält es sich auch mit Unterwäsche, Hosen und Oberteilen, die zwar total toll figurformend sind, aber eben auch scheiße unbequem. Warum also soll ich mir das antun, einen ganzen Abend in irgendwelchem total einengenden Kram rumzulaufen, mich den Menschen um mich herum als irgendwer zu präsentieren, der ich überhaupt nicht bin (denn es fühlt sich ja zumindest in einer Hinsicht nicht gut an) und zu hoffen, dafür auch noch gemocht zu werden. Gilt übrigens auch für unbequeme, zu hohe oder rückenschädigende Schuhe. Was bringt mir das, außer dass ich quasi darauf hoffe, auf mein Äußeres reduziert zu werden, das ja nicht mal wirklich echt ist? Ihr seid nicht ihr selbst, wenn ihr euch nicht 100% wohl fühlen könnt in dem, was ihr tragt. Also schmeißt den unbequemen Schund weg und liebt das, was sich gut anfühlt und kleidsam ist.
  •  "Aber das war doch ein Geschenk von Tante Ilse (oder wie auch immer)!" - Haha ja, die Sache mit den grausigen Geschenken. Fühlt ihr euch dann auch immer irgendwie verpflichtet? Totaler Quark. Wie oft kam Tante Ilse denn schon vorbei um euren Kleiderschrank zu inspizieren und dann festzustellen, dass die Socken vom vorletzten Osterfest offenbar nicht mehr da sind? Wenn euch etwas nicht gefällt, dann weg damit. Belastet euch doch nicht mit Dingen, die euch kein gutes Gefühl bereiten, sondern euch stattdessen noch eine gefühlte Verpflichtung auferlegen. Es gibt sicherlich irgendwo wen, der sich über die Kleiderspende freut. Besser, als das Zeug in der hintersten Ecke eures Schrankes zu verstecken, ist das allemal.
  •  "Aber mir wurde gesagt, das macht mich viel weiblicher/schlanker/hübscher(tbc...)!" - Es gibt so einen Satz, der bringt mich heute noch regelmäßig zum würgen: "Kleide dich doch mal figurbetonter. Dann wirkst du viel weiblicher!" Na herzlichen Dank auch. Wie eine andere Bloggerin kürzlich schrieb, sollten eindeutig weibliche Geschlechtsmerkmale durchaus genügen um die Weiblichkeit der "tragenden" Person zu begründen. Ich muss für keinen irgendwie wirken, am Ende zählt nur, wie ich für mich wirken will. Ich liebe schlabberige Kapuzenpullis, Jeans und Outdoorschuhe. Ich mag praktische Kleidung, ich friere oft und bin daher gerne zwiebelmäßig unterwegs und ich stehe einfach nicht besonders auf lila, rosa oder was man eben sonst so mit dem "Mädchen-Klischee" in Verbindung bringt. Und deshalb kommt auch alles weg, was ich jemals gekauft habe, um irgendwem anders und nicht mir selbst zu gefallen.
  • "Ich kaufe mir ja bald was Neues, aber erst wenn ich abgenommen habe!" - Ihr tragt also unpassendes Zeug, dass euch kein gutes Gefühl gibt, weil ihr es euch aktuell noch nicht wert seid, was Besseres und passendes zu kaufen? Auch hier ... Es ist einfach KEINE Motivation, sich jeden Tag in unschönes, unbequemes Zeug zu quetschen. Euer Körper ist JETZT da, ihr lebt JETZT. Nicht erst morgen. Nicht erst in zwei Wochen. Und auch nicht erst in fünf Kilo weniger. Also raus mit dem alten unpassenden Kram und her mit neuen, schönen Dingen. Insbesondere bei Unterwäsche sind ja viele Mädels der Meinung, sie verdienen erst bessere und schönere, wenn sie es auch körperlich "wert" sind, diese zu tragen. Tut euch das nicht an. Ihr seid jetzt und heute schön und ihr verdient es jetzt und heute, euch in eurem Körper und in eurer Kleidung wohlzufühlen! <3
Am Ende geht es vor allem um eins: Wie fühlt IHR euch? Was tut EUCH gut? Die Meinungen anderer sind doch eigentlich so egal, solange ihr mit dem Inhalt eures Kleiderschranks und dem Stoff an eurem Körper glücklich seid!
Für mich waren das die Hauptgründe für angesammelte unnütze Kleidung. Natürlich freue ich mich über Ergänzungen, vielleicht hab ich auch irendwas gar nicht bedacht? Immer her damit!

Und zum Thema: Klamotten entsorgen, aber wohin? noch ganz kurz folgende Anmerkung. Was alt und abgenutzt ist, könnt ihr natürlich auch mal dem Müll überlassen. Aber wenn die Kleidung noch gut ist, dann freuen sich aktuell natürlich alle möglichen Betreiber von Flüchtlingsunterkünften über entsprechende Kleiderspenden. Am besten erkundigt ihr euch bei eurer Stadtverwaltung, die können meist entsprechend verweisen. Oder ihr wendet euch an die großen Organisationen wie DRK, Johanniter, Caritas, etc. Ein Teil meiner Sachen wird auch den Weg zu Ebay oder Kleiderkreisel finden, klar. Aber das meiste werde ich wohl spenden. Einfach weil ich weiß, dass es da einen der besten Zwecke erfüllen kann.

Ich wünsche euch einen schönen Abend! Wie immer freue ich mich über Kommentare - die schüchternen unter euch dürfen gerne auch anonym kommentieren <3

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