Sonntag, 15. November 2015

#14 Bitte feiert weiter.

Paris. Die Stadt der Liebe, die Stadt der Lichter. Die Stadt im Schock. Was da passiert ist, ist so schrecklich und traurig, dass man eigentlich kaum Worte finden kann dafür. Ich wünsche allen, die das miterlebt haben, allen Verletzten und allen Angehörigen, allen Trauernden und allen Menschen, die das in irgendeiner Form berührt, alle Kraft der Welt um das durchzustehen.
Ich habe mir schon öfter Gedanken gemacht um solche Vorkommnisse. Und darüber, was der Terror mit uns macht - mit uns, der Gesellschaft und uns als Individuen.
Gestern Abend waren wir im Kabarett. Ich kam nicht drum herum, mich selbst zu fragen, ob man einen Tag nach so einem Vorkommnis wirklich einfach losgehen und einen Abend lang lachen darf. Der Kabarettist selbst dankte am Ende seiner Vorstellung uns allen, seinem Publikum, für die Tatsache, dass wir da waren und dass wir es ihm leicht gemacht haben, trotz dieser unendlich traurigen Situation im Hinterkopf.
Und dann dachte ich darüber nach, was ich wohl wollen würde, wenn mir so etwas passieren würde. Was wäre mein Wunsch, wenn ich bei einem Terrorakt ums Leben käme? Was würde ich meinen Angehörigen und Freunden noch sagen wollen?
Die Antwort ist leicht, sie lautet: Bitte feiert weiter!
Bitte geht auf Konzerte und Kabarettveranstaltungen, auf öffentliche Plätze und in öffentliche Einrichtungen, an Orte der Begegnung, tanzt und singt und lacht und vor allem: Lebt! Denn ihr könnt es noch. Wenn wir uns selbst einmauern, wenn wir vor Angst erstarren, wenn wir Dinge nicht mehr tun, weil wir den Wahnsinn weniger Irrer fürchten, dann hat der Terror gewonnen. Das ist das Letzte, was jetzt passieren darf.
Die Politik dreht gerne hohl nach solchen Vorkommnissen. Innerhalb kürzester Zeit verabschiedet man Patriot Acts und Vorratsdatenspeicherungen, rüstet auf, erklärt Kriege, horcht das eigene Volk noch stärker aus auf der Suche nach solchen, die bisher zu schlau für alle Systeme waren und die es auch in Zukunft noch sein werden - machen wir uns doch nichts vor. Ich mache mir Sorgen, dass auch die Opfer in Frankreich jetzt ausgenutzt werden, um noch mehr "Sicherheit" zu installieren und um noch mehr Freiheit einzuschränken. Es wäre geradezu typisch.
Und dagegen hilft nur eines: Lebt! Geht raus, geht auf die Straße, seid lebendig, spürt das Leben. Tanzt und singt und lacht. Lasst den Terror nicht gewinnen, gebt ihnen nicht was sie wollen.
Das hier sind nicht meine letzten Worte und es ist auch nicht mein letzter Wunsch, aber für den Fall, dass ich irgendwann nicht mehr in der Lage sein werde, diese Worte zu formulieren, äußere ich sie dennoch heute schon, klar und deutlich: Bitte feiert weiter!


Nachwort: Bitte kein Whataboutism jetzt. Mir ist klar, dass überall in der Welt täglich solche Grausamkeiten passieren. Und dennoch bin ich nicht davor gefeit, in diesem Fall das Gefühl zu haben, dass es mir näher geht. Paris ist nicht weit weg, ich war schon einmal dort. Ich kenne das Gefühl und den Geruch dieser Straßen. Wenn Menschen sterben, ist das immer schlimm. Doch je näher es kommt, desto näher geht es uns. Das ist eben so. Ich wollte das nur kurz anmerken, es ist mir bewusst. Kein Menschenleben ist mehr wert als ein anderes. Nur um das nochmal klarzustellen.

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