Donnerstag, 27. August 2015

#12 Das Ende der Unverbindlichkeit.

Ich habs also kapiert. Vielleicht liegt es daran, dass um mich herum momentan gefühlt alle heiraten, vielleicht hats mich auch einfach nur so eingeholt, weil es endlich Zeit war, aber ich habs also kapiert.
Am 08. September sind wir seit zwei Jahren zusammen. Eigentlich wären wir es schon länger, wenn ich mich nur mal getraut hätte. Aber damals galt für mich nur ein Grundsatz: Unverbindlich bleiben. Binde dich bloß nicht, lass dich ja nicht auf irgendwas ein und werde um Himmels Willen nicht verletzt. Und so dauerte es Monate, bis ich kapierte, dass er mir so viel bedeutete - und dass dieser Vorsatz im Weg war. Ich war übers Wochenende bei ihm gewesen, hatte seine Familie kennengelernt und sein Zuhause. Und danach war ich mir sicher, dass ich es wollte. Also sagte ich ja. Und wir wurden ein Paar.

Nun ist es fast zwei Jahre später. Bis vor zwei Wochen bin ich nicht mehr dort gewesen. Zwei Jahre lang habe ich mich "erfolgreich" gewehrt dagegen, ihn "da drüben" besuchen zu müssen. Zwei Jahre lang habe ich mich irgendwie herausgeredet, irgendeinen Grund gefunden, warum es diesmal wieder nicht klappte. Und vor ein paar Monaten hatten wir unsere erste richtig handfeste Krise. Am 18.04. diesen Jahres beendeten wir einvernehmlich unsere Beziehung - und begannen sie im selben Moment neu.
Von der Trennung wussten nur ein paar wenige, sehr vertraute Menschen. Allen anderen gegenüber erwähnten wir nichts, denn wir wollten unseren Freundeskreis nicht verunsichern und auch sonst kein großes Theater darum machen. Immerhin leiten wir gemeinsam eine Online-Spielgemeinschaft von 20 - 30 Mann .. oder sollte ich es besser eine kleine Familie nennen? Jedenfalls machten wir eben weiter. Irgendwie.
Von diesem Tag an wusste ich, dass ich ohne ihn einfach nicht sein will. Ich kann es, ja. Aber ich will es nicht. Und ich muss es auch nicht, egal was ich mir einrede. Die Trennung war für mich wichtig, denn ich befand mich mitten in einem riesigen Umbruch, beruflich und privat in jeder Hinsicht. Ich musste die imaginären Ketten, in die ich mich selbst gelegt hatte, einfach möglichst schnell loswerden, um wieder klar sehen zu können. Und an diesem Tag und in diesem Moment, als er mich losließ, fühlte ich mich wie eine Blinde, die plötzlich gestochen scharfes Augenlicht zu sehen bekam: Dieser Mann hatte mein Leben gefälligst nicht wieder zu verlassen.
Natürlich mussten ein paar Wochen vergehen. Ich musste viel nachdenken, viel für mich sein und auch viel vermissen. Und irgendwann dann im Mai oder Juni (wir erinnern uns beide nicht mehr so richtig...) führten wir dieses Telefonat. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir schon, dass wir nicht ohne einander wollen, aber wirklich fest war es irgendwie auch nicht. Ich war an diesem Tag komplett durchgeknallt - und zwar weil mir klar wurde, dass wir noch 4 1/2 Jahre Fernbeziehung vor uns haben würden, wenn er seinen beruflichen Weg wirklich so ging wie er das plante. Tränen über Tränen, ich hatte das bisher wohl irgendwie verdrängt. Und vor allem hatte ich keine Ahnung, wie das zu schaffen sein sollte... Und dann entschieden wir uns. Dafür, es durchzuziehen. Dafür, dass es ab heute verbindlich sein soll. Dafür, dass Schluss sein sollte mit meinen Ausreden und dass ich endlich regelmäßig zu ihm kommen sollte. Dafür, dass wir das hinkriegen - gemeinsam. Deal.

Und heute? Heute stelle ich plötzlich fest, dass ich mich auf den nächsten Besuch bei ihm freue. Dass ein paar Jahre Fernbeziehung doch eigentlich gut zu überwinden sind, wenn man es gemeinsam angeht. Dass ich meine Wohnung, mein Allerheiligstes, gerne zu teilen bereit bin, wenn ich sie mit ihm teilen kann. Und dass es gar nicht so gruselig ist, wenn alle um mich herum anfangen zu heiraten oder Kinder zu kriegen. Selbst der Gedanke daran, dass ich mit zu diesem Club gehören könnte, erscheint mir nicht mehr ganz so gruselig.
Ich habe vor ein paar Tagen meine Mutter angeschrieben, um ihr zu sagen, dass ich glaube, ich hätte den Richtigen gefunden. Dass es zwar "erst" zwei Jahre sind, aber dass es so anders ist als alles zuvor. Und dass ich zwar noch immer vorsichtig bin, aber dass ich mich drauf eingelassen habe. Und meine Mutter gab mir ihr "OK". Und dieses ist das einzige "OK", das für mich wirklich einen Wert besitzt. Neben meinem eigenen ... aber das habe ich ja schon gegeben.

Da ist es also, das Ende der Unverbindlichkeit. Es fühlt sich tatsächlich gut an. Selten war mir ein "Ende" mehr willkommen.

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