Sonntag, 24. Mai 2015

#8 Entschleunigung.

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Moment, in dem ich mal wieder feststellte, dass sich in meinem etwas ganz Essentielles geändert hat: Ich renne nicht mehr.

Eigentlich kann ich mich nicht einmal erinnern, ob es in meinem Leben mal eine Zeit gab, in der ich nicht ständig durch mein Leben gehetzt bin. Ständig gedanklich schon bei der nächsten Sache, ständig die Angst irgendwas zu verpassen. Ständig auf dem Weg zu dem Menschen, mit dem ich mich gerade in einer Beziehung befinde, getrieben von meinen Verlustängsten. Ständig perfekt sein, ständig präsent sein, bloß niemals vergessen werden. Ewiges rennen, niemals ruhen.

Alle Zeiten, an die ich mich zurückerinnere, waren so.
Und irgendwann in den letzten Tagen stellte ich fest, dass es irgendwie nicht mehr so ist.

Ich nehme nicht mehr ständig das Auto, sondern fahre mit den Öffis. Ich nehme nicht die schnelleste Verbindung, sondern die, auf die ich gerade Lust habe oder bei der ich durch die schönere Gegend fahre und mehr zu schauen habe.
Ich kann jemanden auf der Straße treffen und einfach mal quatschen, ohne ständig das Gefühl zu haben, dass dieses Gespräch doch jetzt gar nicht in meinen Plan passt.
Ich kann gehen und andere Menschen treffen, ohne ständig für den Mann, der mir am meisten bedeutet, präsent sein zu müssen.
Ich kann raus gehen und irgendwas tun, weil mein Leben halt da ist, wo ich bin und nicht da, wo andere gerade sind und ich glaube, es gerade zu verpassen.

Natürlich habe ich Stress, natürlich sorge ich mich. Natürlich knabbere ich noch immer an meinem Perfektionismus und an meiner ständigen Sorge, irgendwie nicht gut genug zu sein. Aber diese eine Baustelle - die ständige Eile - hat sich von selbst behoben. Also - mehr oder minder "von selbst" natürlich. Ich kann nicht sagen, wie es eigentlich dazu kam. Habe ich mich bewusst entschieden? Vielleicht. Vielleicht waren es auch einfach viele kleine bewusste Entscheidungen, die sich jetzt einfach zu einem großen Puzzle zusammensetzen lassen. Aber so ist es irgendwie meistens mit den großen Sprüngen: Ich realisiere erst, dass ich den Marathon schon gelaufen und auch angekommen bin, wenn es längst vorbei ist.

Die Erkenntnis ist schön, sie tut unfassbar gut. Und ich bin jetzt schon unfassbar neugierig darauf, was mir wohl als nächstes begegnet. Aber bis ich das weiß, werde ich jetzt erst mal genießen. Ganz in Ruhe.

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