Mittwoch, 27. Mai 2015

#10 Die heilige Mutter Kirche.

Ab Freitag bin ich endlich raus aus dem Laden. Ich frage mich, warum ich eigentlich so lange gezögert habe. 25€ kostet so ein Austritt aus einer Vereinigung, die die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft zwischen Homosexuellen Paaren zur Ehe als "Niederlage für die Menschheit" ansieht. Ich schäme mich irgendwie, dass ich denen noch monatelang Geld gezahlt habe, obwohl ich es hätte besser wissen müssen. Am liebsten würde ich mir jeden Cent zurückholen und das Geld stattdessen in irgendein Projekt investieren, dass die Gleichstellung unterstützt. Aber: zu spät.

Ich bin ja nun wirklich nicht der Mensch, der mit irgendeinem Glauben ein Problem hätte. Jeder kann von mir aus genau das glauben was er möchte - solange er alle anderen da raushält. Und genau das ist eben so oft das Problem. Selbst unter jungen Leuten.
Ich habe eine Bekannte, die sehr katholisch ist. Das ist okay, von mir aus könnte sie auch an das fliegende Spaghettimonster glauben. Aber was ich wirklich gar nicht ab kann, ist dass sie diese katholischen Weltanschauungen teils nutzt, um damit andere Leute unter Druck zu setzen. Dieses "Bekehren-wollen", das teilweise wirklich penetrant sein kann (zumindest nach meiner Wahrnehmung), ist in meinen Augen einfach absolut null auszuhalten. Und wenn man die Kirche kritisiert, ob dieser unfassbaren Zustände, die dort teils vorherrschen (egal ob wir jetzt über den Umgang mit Kindesmissbrauch oder die Tatsache, dass führende Mitglieder Homosexualität als Krankheit einordnen, sprechen), dann ist aber was los, ne?
Eigentlich sind wir alle kluge junge Menschen. Da frage ich mich doch, wie es sein kann, dass man solche Dinge sogar noch irgendwie verteidigt, nur weil man als Kind eben viel Kirchenfreizeit-Kram mitgemacht hat und da viele nette Menschen waren. Ich hab das auch erlebt, bin ja sogar konfirmiert (wenn auch aus ... sagen wir mal, eher jugendlichen Motiven). Da waren auch ein Haufen netter Leute und so. Aber nichts, gar nichts davon, würde mich in irgendeiner Weise dazu bringen können, weiterhin diesem Verein angehören zu wollen. Achja, ich bin übrigens evangelisch. Also das "etwas weniger schlimm" des Christlich-kirchlichen. Aber für mich ändert das nichts. Am Schluss ist es die selbe Suppe: Eine veraltete Institution, die sich vor allem darauf stützt, dass Menschen Halt brauchen, den sie sich nicht selbst geben können. Eine Institution, die im Wesentlichen aus Angst Gewinne schöpft. Angst vor Sünde, Angst vor der Hölle, Angst vor dem Alleinsein oder Verlassenwerden. Und zumindest ich bin mir für mich ziemlich sicher, dass mir die Kirche bei keiner dieser Ängste helfen kann.
Von daher winke ich hiermit ein letztes Mal, bedanke mich hiermit für ein paar schöne Momente in meiner Kindheit und Jugend und wende mich nun anderen Dingen zu, die weniger weltfremd sind.

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