Montag, 6. Oktober 2014

#4 Philosophie: Warten. Und der Liebe zweiter Teil.

Liebe/r anonyme/r Kommentarschreiber/in,

da hast du mir aber ganz schön was zum Denken gegeben. Raphaël Enthoven und Nicolas Grimaldi zum Thema "Warten/Erwarten". Ich möchte das nochmal kurz für alle teilen: http://www.arte.tv/guide/de/047168-006/philosophie?autoplay=1

Warten ist elementarer Bestandteil des Lebens. Für mich ist dabei aber besonders spannend, dass es Zeiten gab, in denen ich grundsätzlich hektisch oder panisch wartete ... Und dass ich heute irgendwie gelassener warten kann. Nicht immer, ich bin nach wie vor nicht der geduldigste Mensch. Manchmal, gerade wenn ich eh schon gestresst bin, verfalle ich immer noch hin und wieder in beinahe panisches "Warten" auf irgendein mehr oder minder wahrscheinliches Geschehen. Vielleicht passiert das, wenn ich zu viele Dinge auf einmal erwarte. Vielleicht auch aus der Sorge heraus, dass irgendetwas Erwartetes nicht eintritt, obwohl es fester Bestandteil meiner Pläne ist.
Wie schon im Video erwähnt: Alles kann jederzeit eintreten. Und der, zugegebenermaßen in meinen Augen ziemlich simple, Schluss daraus ist: Habe einen Plan B. Knüpfe nicht alles an eine Erwartung. Oder lerne, jedes Geschehnis irgendwie gelassen hinzunehmen, egal ob du es so geplant hattest oder nicht.
Letzteres klingt für mich eher wie eine Aufgabe, die man in einem ganzen Leben nicht bewältigen kann. Deshalb ist wahrscheinlich eine Mischung dieser Schlüsse der beste Weg. Alternativen überlegen, wenn man kann. Nicht alles auf eine Karte setzen. Und den Umstand akzeptieren, wenn etwas ganz anders kommt als vorgesehen, sowie das Beste daraus zu machen.

Sehr schön und ebenfalls sehr passend zu meinem letzten Beitrag auch noch dieses Video zum Thema "Liebe", ebenfalls mit Raphaël Enthoven und Nicolas Grimaldi: http://www.arte.tv/de/philosophie-liebe/2235076,CmC=2493988.html

Woran ich mich hierbei irgendwie stoße, ist die Unterscheidung in "hingebungsvolle Liebe" und "begehrende Liebe". Nach Grimaldi dient begehrende Liebe, so habe ich das verstanden, vor allem der persönlichen Bereicherung, während hingebungsvolle Liebe, bei der man sich darauf fokussiert, den anderen glücklich zu machen und dessen Erwartungen (Grimaldi nutzt diesen Begriff oft und gerne!) zu erfüllen, die "wahre Liebe" ist. 
Klingt ja gut und schön, irgendwie. Aber ist ein Mensch wirklich so selbstlos? Sind wir nicht eigentlich mit einem gewissen Egoismus geboren, der dazu führt, dass dieses Bild von selbstloser Liebe tatsächlich eines bleibt, das man nur in der Kunst und nicht im wahren Leben findet? Und wäre es nicht, selbst wenn man so hingebungsvoll liebt, trotzdem noch ein bisschen egoistisch, weil man sich eigentlich nur ein eigenes Bedürfnis erfüllt, und sei es nur, dass dieses Bedürfnis das Zufriedenstellen einer Person meines Herzens darstellt?
Ich muss gerade schmunzeln, weil ich glaube, erkannt zu haben, warum ich mit diesem Gedanken nicht konform gehen kann. In den letzten Jahren begleitet mich ein Satz sehr oft: "Achte auf dich selbst." Purer Egoismus, könnte man meinen. 
Jaein. Mir geht es dabei vor allem darum, dass ich nicht die Kraft und die Konzentration aufbringen kann, mich um andere zu "kümmern", wenn ich nicht zuvor an meinen eigenen Baustellen gearbeitet habe. Und das kommt mir in den Sinn, wenn ich an diese "hingebungsvolle Liebe" denke: Muss ich nicht zuerst bei mir selbst ansetzen? Herausfinden, was ich will und was mich glücklich macht? Und kann Liebe denn, wenn ich mich noch mit solchen Dingen befassen muss, trotzdem derart hingebungsvoll sein? Muss ich nicht auch oder sogar insbesondere auf mich selbst achten? Und vor allem: Bedeutet "hingebungsvoll sein" auch gleichzeitig "ein Stück von sich selbst aufgeben"? 
Ich glaube, letzteres ist meine zentrale Frage. Eine Antwort darauf kenne ich nicht, aber es ist schön, sie überhaupt formulieren zu können. Danke, "Anonym", für diesen Anstoß.

Kommentare:

  1. Nachdem ich es nach etwa einer Woche geschafft habe, mich zu motivieren, wieder etwas zu schreiben hoffe ich, du verzeihst, dass du dich gedulden musstest ;)

    "Wie schon im Video erwähnt: Alles kann jederzeit eintreten. Und der, zugegebenermaßen in meinen Augen ziemlich simple, Schluss daraus ist: Habe einen Plan B. Knüpfe nicht alles an eine Erwartung."

    Mich hat auch ein wenig gestört, dass hauptsächlich auf erfüllte Erwartungen eingegangen wird, weil ich momentan selbst in der Lage bin, dass ich immer wieder Erwartungen in eine Person setze und enttäuscht werde, weil mein Bild von ihr dieses beispielhafte kristallbedeckte Abbild ihrer selbst war und jedes mal, wenn sich eine meiner Befürchtungen bewahrheitet, ein Teil von ihr zum Vorschein kommt.
    Plan-B hieße in dem Fall, dass ich mich gleichzeitig nach anderen Frauen umschaue, denen ich meine Liebe schenken kann?

    Meiner Auffassung nach ist mit der "wahren Liebe" nicht gemeint, dass man dabei kein Glück empfindet.
    Die persönliche Bereicherung an Glück durch Hingabe geschieht nicht auf Kosten des Geliebten und man erfüllt dadurch auch nicht ausschließlich das eigene Bedürfnis.
    Wenn Egoismus weder auf Kosten anderer, noch durch Vernachlässigung geschieht, ist er dann noch schlecht?

    Was hindert dich denn daran, anderen Zuneigung zu schenken, sie zu lieben und dich um sie zu sorgen?
    Hingabe bedeutet nicht Selbstaufopferung, sondern Ehrlichkeit und Vertrauen; Bereitschaft verletzt zu werden.
    Vielleicht kannst du dir deine Fragen damit selbst beantworten.
    Ich kann es dir nicht :)

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  2. Schön von dir zu hören :) Zu verzeihen gibts da nix, ich freu mich einzig und allein, dass du schreibst!

    Naja, ist ein Abweichen von deiner Erwartung denn immer schlecht? Nicht vielleicht nur .. unerwartet, vielleicht befremdlich, aber am Ende doch gar nicht so schlimm? Vielleicht könntest du eher an dem Punkt ansetzen, tatsächlich mit allem zu rechnen? Dieses "kristallbedeckte Abbild" von Anfang an versuchen als solches zu erkennen und es kritisch zu hinterfragen? "Kann das überhaupt sein, dass sie so perfekt ist, oder ist das nur mein Wunsch/meine Erwartung?" Sind diese Dinge, die so zutage gefördert werden denn tatsächlich so gewichtig, dass sie ein No-Go sind? Oder hat es was damit zu tun, Akzeptanz zu lernen? Der Andere ist eben so wie er ist .. vielleicht kannst du das ja akzeptieren, auch wenn es nicht in dein kristallenes Muster passt? ^^
    Mal abgesehen davon ... schau dich doch ruhig um. Die Welt ist voll von tollen Frauen. Warum nicht die Augen offen halten in alle Richtungen? Oder hast du irgendwo unterschrieben, dass es immer nur eine Frau sein darf, der du deine Aufmerksamkeit schenkst? :P

    So gemeint ist das mit der "wahren Liebe" sicherlich nicht. Aber komischerweise ist das für mich immer eine Assoziation, die super schnell auftaucht. Ich kann mir für mich einfach nicht vorstellen, wie ich Hingabe hinkriege, ohne mich dafür aufzuopfern. Wahrscheinlich einfach aus meinen gemachten Erfahrungen heraus.
    Ist Egoismus überhaupt schlecht? Auch so ne Frage, die ich mir immer wieder stelle. Ich habe schon viele Situationen erlebt, in denen mir Egoismus die bessere Wahl zu sein schien, obwohl irgendwer hinterher verletzt oder angefressen war. Und dennoch habe ich die Entscheidung im Nachhinein nicht bereut. Ich bin kein herzloser Mensch, sicherlich nicht. Gerade deswegen schwanke ich hierbei sehr. Zwischen "den anderen Gutes tun" und "mich nicht aufgeben". Fühlt sich oft an wie ein Seiltanz.

    Was hindert mich ... Gute Frage. Die Angst davor, mich selbst aufzugeben oder mich zu verrennen. Nicht da anzukommen, wo ich hin will. Aber eigentlich hindern mich diese Gedanken oder Ansichten nicht daran, jemanden zu lieben ... nur daran, diese Liebe auch zuzulassen bzw. zu leben.
    Bereitschaft, verletzt zu werden. Ohje, gaaanz schwieriger Punkt. Nein, das lasse ich offensichtlich nicht zu. Merke schon richtig, wie bei dem Satz der imaginäre Rolladen runtergeht.

    Abschließend beantworten kann ich meine Fragen so nicht. Aber, mal wieder, neue Stellen. Das ist auch was :)
    Ich danke dir, mal wieder, für deine Worte. Ich mag die Art und Weise, wie du mich zum denken bringst :)

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  3. Wenn man erwartet, über Probleme miteinander reden zu können, statt sie aufzuschieben, dass sie mit ihren psychischen Problemen zurecht kommt und glaub, dass sie sich selbst versteht und wenn man erwartet, dass man ihr wichtig genug ist um sich mehr als einmal die Woche treffen zu können, insbesondere, wenn man mitten auf ihrem Heimweg wohnt, dann ist ein Abweichen tatsächlich schlecht.
    Bitter ist, wenn man nicht auf den eigenen Exfreund gehört hat, als er meinte, dass man sich bei ihr unbedingt selbst schützen muss um nicht verletzt zu werden.
    Nein er kennt sie nicht, hat aber die selbe Diagnose :D

    Aber genug von meinen Problemchen :)


    Um gut Seiltanzen zu können muss man üben! ^.^

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