Sonntag, 28. September 2014

#2 Das Internet als Lebensraum.

Sidenote: Ich weiß nicht, wie viele von euch ab sofort mitlesen, aber die Tatsache, dass jetzt einige davon wissen, macht mich ein bisschen nervös xD Logischerweise werde ich dennoch keine Abstriche machen, sondern frei heraus schreiben. Dafür ist das Ding ja da.

Das Internet ist ein Lebensraum. Wie viele Leute mich für diese Ansicht schon schief angeschaut haben, kann ich gar nicht sagen. Für mich ist das so, für viele viele andere auch.
Das Internet ist schnell. Innerhalb von Sekunden kann man Millionen von Informationen erhalten, wenn man möchte. Man kann bestimmt 90% der Leute, die man kennt, auf irgendeiner Seite antreffen, kontaktieren, sich austauschen, diskutieren, sich verabreden. Man kann sein, wer man will. Oder auch: Wer man ist.
Dies ist einer der Gründe, warum ich das Internet so sehr schätze. Ich logge ein, wenn ich Bock habe und wenn ich keinen Bock mehr habe, logge ich aus. Ich kann schlecht dem Bekannten, mit dem ich mich heute verabredet habe, mal eben sagen: "Sry, ich hab jetzt keinen Bock mehr auf deine Gesellschaft, bitte geh jetzt!" ohne denjenigen vielleicht zu verletzen. Oft kann ich auch einfach die Präsenz von Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung nicht ertragen, ihre Stimme im Teamspeak oder Skype aber sehr wohl. Und dann kann ich plötzlich ich sein. Nicht irgendeine zusammengerissene oder aufgesetzte Persönlichkeit, die sich verbiegt, um die Menschen in ihrem Umfeld zu schonen oder bloß nicht aufzufallen mit meiner schlechten Laune oder Trauer oder mit wasauchimmermichgeradebewegt.
Wer mich kennt, weiß dass ich mein Herz oft auf der Zunge trage und dass ich Gefühle schlecht verbergen kann (und will). Das ist oft anstrengend, insbesondere wenn man es doch tun "muss", weil der Anlass es gebietet. Und gerade daher gelobe ich mir all die Menschen, mit denen ich regelmäßig im Internet kommuniziere und die genau wissen, dass es nicht persönlich ist, wenn ich mich auslogge, mein Mikrofon oder meine Kopfhörer mute (=ausschalte, je nachdem wer hier wie firm mit gewissen Begrifflichkeiten ist). Ich kann kommen und gehen, wie es mir beliebt. Ich kann anschreiben, wen ich will und nicht mehr schreiben, wenn ich nicht mehr will. Es ist meine persönliche Freiheit und mein persönlicher Lebensraum, in dem ich mich oft aufhalte.

Hinzu kommt, dass ich leidenschaftlich gerne zocke. Gamer gehören, so zumindest mein Gefühl, oft zu den eher belächelten Teilen der Gesellschaft. "Weltfremd" oder "Kindisch", "Kellerkind" oder "Nerd" ... es gibt zig Begriffe, freundlich oder weniger freundlich gebraucht, die man im Laufe seines Zockerlebens so zu hören bekommt. "Waaaaas, du zooockst?" Jop. Weil es Spaß macht. 
Ich hab schon alle möglichen Sachen gespielt, bin trotz Counterstrike nicht zur Amokläuferin geworden, trotz League of Legends bin ich immer noch freundlich zu meinen Mitmenschen und ich erinnere mich immer noch gerne daran zurück, wie als kleines Mädel mein erstes Barbie-Game gespielt habe - natürlich irgendwas mit Pferden. Das Leben als Zockerin ist nämlich vielseitig. 
Und zudem habe ich dank dieses Hobbies auch unglaublich viele unglaublich tolle Menschen kennengelernt. Menschen jeden Alters und aller möglichen Herkunft, Menschen die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber die alle eins gemeinsam haben: Sie zocken. Gemeinsam. In einem Lebensraum. Namens Internet.

Was ist die Message? Dieser Lebensraum ist schützenswert. Ich frage mich, wie es sein kann, dass irgendwer irgendwo unsere Daten, unsere Bewegungen im Internet, unsere Äußerungen, sowohl im Privaten als auch im Öffentlichen, abfängt, speichert, verfolgt, mithört, auswertet. Akten über uns anlegt und uns "einstuft", als was auch immer. Vielleicht sollte ich mal in Erfahrung bringen, ob ich noch in die USA einreisen darf, weil ich mich im Internet öfter kritisch über deren Politik äußere. Ob die Polizei in Berlin vielleicht auch irgendwelche lustigen Vermerke über mich vorliegen hat, weil ich irgendwann mal rauchend mit einem Freund an einer Bushaltestelle saß und irgendwer anonym die Polizei rief, weil wir dort angeblich "Drogen konsumieren". Ich weiß, das ist jetzt fernab vom Internet, aber es ist sinnbildlich dasselbe. Genauso wenig will ich, dass irgendwelche Leute bei der NSA Bilder von mir oder meinen FreundInnen als *****-Vorlage benutzen, nur weil sie es können.
Das häufigste Argument, das genannt wird, ist dass man nichts zu befürchten hat, wenn man nichts zu verbergen hat. Dieses Argument ist höchstens ein Kopfschütteln wert, mehr aber auch nicht. Was ich teilen will, teile ich. Und was ich nur mit bestimmten Personen teilen will, teile ich auch nur mit bestimmten Personen. Meine Daten gehören mit, deine gehören dir und eure gehören euch. Alles andere ist in meinen Augen ein Eingriff in die Privatsphäre, der sich nicht rechtfertigen lässt; schon gar nicht, wenn man quasi unter Generalverdacht steht. Aber bis das Internet irgendwann kein rechtsfreier Raum mehr ist oder zu sein scheint, wird viel Zeit vergehen. Allein schon, weil es tatsächlich eine Bundeskanzlerin geben kann, für die das Internet noch Neuland ist.

Sehr politisch, ich weiß. Manchmal überkommt es mich. Zum Schluss noch kurz die Anmerkung, dass nicht mal Zocker vor der NSA gefeit sind: http://www.spiegel.de/netzwelt/games/world-of-warcraft-nsa-und-gchq-ueberwachten-online-spiele-a-938014.html (Ja, ich weiß, alter Hut. Aber wer nicht zockt, verfolgt sowas wahrscheinlich auch nicht unbedingt. Und noch schlimmer, dass man eigentlich davon ausgehen kann, dass das immer noch aktuell ist.)

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