Sonntag, 28. September 2014

#1 Eigentlich sollte es dir doch gut gehen!

Tut es aber nicht.

Ich bin traurig. Traurig aus so vielen Gründen, und um irgendwie ein bisschen aufzuräumen in meinem Kopf, beginne ich mal wieder einen Blog. Mal wieder, weil es der ... fünfte oder so ist? Mal wieder, weil alte Kapitel abgeschlossen sind und ich mich irgendwo in einem neuen befinde.
Wütend übrigens, bin ich auch. Auch aus tausenden von Gründen. Auch so ein Grund, warum ich einfach nur wild irgendwelche Wörter aneinanderreihe und versuche, irgendeinen Sinn, irgendeine Ordnung, irgendetwas herzustellen, woran ich mich halten kann.

Ich bin 26 Jahre alt. Kurz musste ich überlegen, weil ich spontan erst mal dachte, ich sei 23. Offenbar kommt das mit dem Alter ...
26 schon und noch immer fühle ich mich wie 16. So, als hätte ich noch nichts erreicht. Nichts, woran ich mich halten könnte zumindest. Ich lebe in einer WG mit einem Typen, der schwer von Begriff ist und der Körperhygiene für mehr oder minder vernachlässigbar hält. Die Bude ist alt und fällt an allen Ecken und Enden auseinander, die letzte Renovierung war gefühlt wohl vor der Französischen Revolution und wenn Leute mich fragen wo ich wohne, nenne ich immer den Stadtteil nebenan oder, wenn ich meinen tatsächlichen Wohnort nenne, füge ich sowas an wie "Aber gerade noch im schönen Teil" oder "Da vorne wo ich wohne, gehts noch".

Ich bin ein Wohlstandskind. Keine Ahnung, ob ich gerade deswegen ausgerechnet in diese Bude gezogen bin. Geld war nie ein Problem für mich und ist es auch jetzt nicht. Eigentlich war immer genügend da für alles was man braucht und mehr. Wer kauft heute auch schon nur noch Dinge die er braucht, wenn er Geld über hat? Es gibt ja von allem viel zu viel und alles lacht uns so sehr an. Man shoppt eben noch dies und das, gibt einen Haufen Knete aus für Scheiß, den kein Mensch benötigt und am Ende ist man auch nicht fröhlicher.

Ich bin eine Eremitin .. irgendwie. Ich gehe nicht gerne unter Menschen, 5 Stunden am Tag, die ich "gezwungenermaßen" unter Menschen zuzubringen habe, sind mehr als genug. Ich verlasse meine Wohnung selten, nur wenn ich muss. Und ich vermisse es auch nicht. Früher konnte ich keine Party und kein Treffen mit Freunden auslassen, kam immer irgendwie zu spät nach Hause und war, egal um was es ging, ganz vorne mit dabei. Jetzt vermisse ich nichts davon. Es wundert mich und manchmal betrübt es mich auch. Ständig lese ich irgendwas von Psychologen, die sagen, dass man mindestens soundsoviel Zeit an der frischen Luft oder unter Menschen verbringen soll und wahrscheinlich haben die Leute sogar recht, wenn sie das schreiben ... aber mich bewegt es nicht. Wortwörtlich.

Ich träume von einer besseren Welt. Und das jeden Tag und immer. Manchmal lese ich den halben Tag einfach nur Nachrichten verschiedener großen Zeitungen auf Facebook. Ich träume von einer Welt, in der wir Waffen hinter uns gelassen und Worte in den Mund genommen haben. Von einer Welt, in der jeder Mensch einfach nur Mensch sein darf, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Haarfarbe, Augenfarbe, Kultur, Rasse, Religion, sexueller Vorliebe und wasweißichnoch welche Möglichkeiten wir finden, uns in Schubladen zu stecken und mit dem Finger aufeinander, statt auf uns selbst zu zeigen. Ich träume von einer Welt, in der Menschen keine Angst um ihre Existenz zu haben brauchen und in der jeder an all diesem Überfluss, in dem ich leben kann, teilhaben darf. Von einer Welt, in der wir keinen Schuldigen mehr suchen müssen, weil wir die Suche in uns selbst begonnen haben.

Ich bin sensibel. Früher habe ich mich selbst mal mit "depressiv" umschrieben, wahrscheinlich würden einige das noch immer tun. Doch ich habe mich zu lange mit mir selbst auseinandergesetzt, um diese "These" aufrecht erhalten zu können. Ich bin sensibel. Mir gehen Dinge gerne schnell nahe. Nicht, weil ich krank bin, sondern weil ich ein großes Herz habe. Weil ich meine Mitmenschen ansehe und dabei ihren Schmerz fühlen kann. Vielleicht fühle ich mehr, vielleicht intensiver als andere Menschen. Vielleicht lasse ich auch nur mehr zu. Oft kicke ich mich damit selbst aus der Bahn an Stellen, an welchen andere sich verschließen und einfach weitermachen würden. Ich will nicht unterstellen, dass einer dieser beiden Wege "besser" wäre als der andere, jeder Lebensweg hat seine Berechtigung. Ich will nur sagen ... Ich nehme viel auf. Und oft wirft mich das um. So bin ich.

Ich habe einen Lebenstraum. Irgendwann möchte ich ein Haus oder einen Hof besitzen, irgendwo draußen. Freistehend. Raus aus der Stadt. Ich möchte meine Familie um mich haben. Und ich möchte Tiere haben. Ich möchte mein eigenes Gemüse anbauen und essen. Ich möchte nach draußen gehen und Gras und Bäume sehen, Barfuß im Regen über den Rasen laufen und tanzen. Dieser Wunsch schlummert schon immer in mir, schon seit ich klein war. Und dennoch habe ich Angst, dass ich selbst dann noch nicht glücklich sein kann, wenn ich mir selbst diesen Wunsch erfüllen sollte.

Ich bin angsterfüllt. So viele Dinge bereiten mir innerlich Angst, doch zwei Ängste begleiten mich immer ganz besonders: Die Angst, "es nicht zu schaffen" und die Angst, "niemals glücklich zu sein". Sie sind meine treuen Begleiter, zu meiner Linken und Rechten halten sie Schritt mit mir, nur selten lasse ich eine von ihnen und ganz selten auch mal beide für eine Weile hinter mir, bis sie mich erneut eingeholt haben. Und weil ich ahne, dass diese beiden Begleiter mich niemals wirklich verlassen werden, lerne ich noch, wie ich mit ihnen lebe, anstatt ständig zu versuchen sie loszuwerden.

Ich bin schlau. Ich weiß es und wer mich kennt, weiß es auch. Ich fühle mich deshalb nicht besser oder schlechter, manchmal allerdings fühlt es sich wie ein Hindernis an. Viel zu oft in meinem Leben gerate ich in Situationen, in denen ich eine Idee hätte, wie man die Dinge besser machen kann ... und viel zu oft scheitere ich an solchen Sätzen wie "Das war aber schon immer so". Viel zu oft traue ich mich auch einfach nicht, meine Ideen in die Welt hinauszuposaunen, weil ich Sorge habe, dass ich doch nicht gut genug bin oder dass meine Idee unprofessionell oder lachhaft sei.

Ich zweifle an mir selbst. Und zwar immer dann, wenn es mir nicht gut geht. In guten Momenten weiß ich, wer ich bin und was ich kann, doch zu häufig traue ich mir Dinge nicht zu oder halte mich selbst für viel schlechter, als ich es eigentlich bin. Ich schaffe es dann, sowohl mich als auch andere damit verrückt zu machen. Und oft muss ich erkennen, dass das Theater dann am Ende scheinbar für die Katz war. Jedoch nur scheinbar, denn schlussendlich schätze ich jede Erfahrung in irgendeiner Weise.

Ich bin eine Diplomatin. Vermitteln zwischen Menschen, das ist es was ich kann und liebe. Ich suche noch immer nach einem Beruf, in welchem ich das ausleben kann. Mein Einfühlungsvermögen und meine "Gabe", anderen Menschen das Gefühl zu geben, dass ich jetzt und hier nur für sie da bin, sind das schönste Geschenk, das ich erhalten konnte. Wenn ich auch nicht oft "im echten Leben" unter Menschen bin, so bin ich doch sehr aktiv in einer Online-Community und bin dort für viele Leute Ansprechpartner und Vertrauensperson. Ich wünschte, ich könnte mit sowas mein Geld verdienen ... aber eine richtige Idee habe ich (noch) nicht.

Ich bin nicht mehr so traurig und nicht mehr so wütend. Manchmal genügt eine kleine Bestandsaufnahme, manchmal reicht es auch aus, einfach mal in die Tasten zu hauen. Manchmal. So auch heute. Dies genügt für den Anfang. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

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