Dienstag, 8. Mai 2018

#61 Muss es denn schwarz oder grau sein?

Das hier ist irgendwie ein Rant, irgendwie bin ich wütend und irgendwie traurig und irgendwie muss das einfach mal raus, weil es mich eigentlich schon so lange stresst. Und jetzt nervts mich halt so sehr, dass ich endlich mal Worte dafür suche. Und finde.

Ich bin seit Freitag krank zu Hause. Ja, mal wieder. Während ich in den letzten Monaten auch einfach oft Pech hatte (langwieriger grippaler Infekt, Blasenentzündung und andere Spaßigkeiten), hat es mich diesmal psychisch mal wieder richtig umgeworfen. Gründe gibts dafür mehrere. Ein paar Beziehungsdinge, die auf meine üblichen Muster trafen. Allgemein eine stressige Zeit, dadurch, dass durch meine Blasenentzündung vieles liegen blieb. Auf Arbeit wieder Themen, die mir auch am Allerwertesten vorbeigehen könnten, das aber nicht tun, weil ich - gerade wenn ich sowieso schon gestresst und angeschlagen bin - nicht so richtig in der Lage bin, mich abzugrenzen. Und dann kam am Donnerstag die Eröffnung, dass man mir zwar eine ambulante Therapie nahelegt, aber dass ich jetzt leider nochmal mit vier Monaten auf der Warteliste rechnen muss, denn die bisherigen fünf Monate seien ja nur die Warteliste für das Erstgespräch gewesen.
Hätte ich ja irgendwie ahnen können. Trotzdem bin ich damit schlicht und ergreifend vollkommen in mir zusammengefallen. Ich hab mich echt an dieser Sache festgehalten, in der Hoffnung, dass ich endlich ne Möglichkeit kriege, häufiger, stetiger und gezielter an meinen Themen zu arbeiten. Die Gespräche, die ich aktuell alle zwei Wochen führe, sind zwar auch hilfreich und wichtig und ich bin unsagbar froh, dass ich gleich am Freitag eins hatte, denn das hat mich wenigstens davor bewahrt, vollkommen im schwarzen Sumpf zu versinken. Aber dennoch - Das kanns doch einfach nicht sein, dass man Menschen mit psychischen Problemen so hängen lässt. Das macht mich gleichzeitig so traurig und so wütend, dieses Scheiß-System. Aber darüber könnte ich tagelang schimpfen und es würde auch nichts bringen. Also schimpfe ich lieber über andere Dinge, die mir wesentlich näher gehen. Und vor allem Dinge, über die ich immer wieder Angst habe zu sprechen.

Ich bin jetzt also zu Hause, die ganze Woche. Ich habe Freitag schon geahnt, dass es so kommt, weil ich mich mittlerweile gut genug kenne. Also nahm ich mir vor, dass ich gar nichts muss. Ich muss nirgendwo hingehen, ich muss gar nichts tun, wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht kann. Das ist sinnvoll, weil ich mir damit für den Moment den Druck nehme und überhaupt wieder ins Handeln komme - und sei es nur, dass ich plötzlich wieder die Energie finde, den Müll runter zu bringen. Aber dennoch sind diese Gedanken mit unglaublich viel Scham und Schuldgefühl behaftet. Denn wem kann man das denn erzählen, dass man freitags schon weiß, dass man montags vermutlich nicht arbeiten wird? Am Ende bin ich damit doch vor allem "die Faule, die sich schon mal ne freie Zeit geplant hat". Oder nicht?
Und dann gehts weiter mit den Gedanken eben dieser Kategorie. Ich bin also zu Hause und ich bin krank geschrieben, weil ich gerade depressiv bin. Darf ich denn jetzt in der Sonne sitzen und lesen? Darf ich draußen spazieren gehen? Darf ich den Tag schön finden? Darf ich Fotos davon machen und sie auf Facebook stellen? Darf ich abends tanzen gehen, wenn mich das von meinen Tränen ablenkt? Darf ich mit dem Mann meines Herzens irgendwo essen gehen und mich einfach nur darüber freuen, dass wir sind wo wir sind und dass es schmeckt? Darf ich mein Leben auch in Phasen der Depression irgendwie genießen oder muss dann einfach alles schwarz oder grau sein?
Natürlich darf ich. Ich darf all das, wer soll es mir verbieten? Jeder Psychologe, auch jeder Hausarzt, würde mir dazu raten, jetzt das zu tun, was mir gut tut und was mir dabei hilft, wieder auf die Beine zu kommen. Aber das, meine Lieben, ist eben nur die Theorie.
Dann kommt die Praxis um die Ecke und schlägt dir ins Gesicht. Da gibt's nämlich immer irgendwelche verständnislosen Arschgeigen. Und die sind davon überzeugt, dass du eben faul bist und keinen Bock hast. Die sehen in dir nur die Person, die gerade nix leistet und sich stattdessen bei schönem Wetter nen schönen Tag macht. Die Versagerin, die Memme, die Unkollegiale, die schlechte Freundin. Und ja, es gibt zum Glück nur sehr wenige dieser Menschen in meinem Leben. Aber die paar Wenigen, die sind meistens laut. Und es ist so schwer für mich, mich da abzugrenzen. Genau das ist ja irgendwie auch ein Teil meiner Problematik. Und wenn ich dann so müde und am Boden bin, wie das jetzt der Fall ist, dann kann ich es eben gar nicht mehr. Dann werde ich klein und lasse all diese Gefühle und Emotionen, all diese Äußerungen und Blicke nur noch über mich ergehen. Dann gebe ich auf, ziehe mich zurück, verkrieche mich.

Jetzt, da ich hier sitze und diese Worte tippe, bin ich unfassbar wütend über diese Umstände. Es macht mich endlos sauer, wie arschig Menschen sein können. Und auch, dass ich mich so schlecht wehren kann. Ich arbeite daran und das tue ich verdammt nochmal jeden Tag. Auch in den letzten Tagen habe ich wieder neue Dinge gelernt und erkannt und auch wenn sich das alles irgendwie nach abgef****** Sh*t anfühlt, weiß ich doch, dass es am Ende wenigstens noch zu irgendwas gut ist.
Aber was wirklich zu gar nix gut ist, das sind Menschen, die der Meinung sind, noch auf den Schwächsten rumhacken zu müssen. Menschen, die mich plötzlich ignorieren oder mir die kalte Schulter zeigen, weil ich in ihren Augen nicht funktioniere. Menschen, die vor ihren eigenen Problemen davonlaufen und einen Schuldigen brauchen, um nicht in den Spiegel schauen zu müssen.

Es ist das Gefühl, mich verstecken zu müssen hinter schwarzen Gardinen in einem dunklen Keller, das mich so wütend macht. Denn ja, verdammt, ich bin depressiv. Aber ich habe auch das Recht zu lachen. Gestern. Und heute. Und morgen auch noch. Und wenn ich mir zwischen all diesen Phasen in Schwarz und Grau einfach mal eine bunte Phase gönne, dann will ich mich nicht rechtfertigen müssen. Ist das schwer zu verstehen?

Donnerstag, 29. März 2018

#60 Novum Castrum 3 - Ein Con-Rückblick in Rolle.

Ich war vergangenes Wochenende mal wieder auf einer Rollenspiel-Con. Und da ich gerade in letzter Zeit immer häufiger feststelle, dass ich die Cons mittlerweile ganz anders angehe, viel gezielter und tiefer ins emotionale Spiel einsteige und daher wahnsinnig intensive Spielerlebnisse habe, möchte ich zukünftig auch über solche Cons schreiben, wenn sie mich bewegt haben.
Novum Castrum 3 war also der dritte Teil einer Reihe (http://www.novum-castrum.de), die ein Vampire - Dark Ages Setting behandelt. (Mehr zum grundsätzlichen System: https://de.wikipedia.org/wiki/Vampire_aus_der_Alten_Welt)
Es treffen also verschiedene Vampire verschiedener Clans und verschiedener Domänen aufeinander und wie immer geht es um Macht und Intrigen. Mein Charakter, Magdalena, ist vom Clan Gangrel (http://de.vampiremaskerade.wikia.com/wiki/Gangrel) und gehört damit zu den “niederen Clans”. Sie hat keine feste Domäne, sondern lebt im Wald um die Domänen Siegburg und Blankenburg, war aber zuletzt länger auf Reisen.

Für alle, die Vampire nicht kennen, wird das jetzt vielleicht nicht ganz leicht nachzuvollziehen, aber dennoch werde ich einfach einen Rückblick aus Sicht der Rolle schreiben, denn ich will nicht nur einen Einblick in das geben, was ich erlebt habe, sondern gleichzeitig auch eine tiefgehende emotionale Erfahrung verarbeiten. Es hat sich nicht alles genau so zugetragen, ich verändere das Setting bzw. dessen Wiedergabe einfach entsprechend meiner Emotion und Wahrnehmung und kürze hier und da Dinge heraus, auch weil ich mich nicht mehr an alles erinnern kann oder weil manches für Magdalena einfach nebensächlich war. Aber natürlich sind die Kernpunkte schon so passiert. Dem Rückblick in Rolle (IT) wird vermutlich in naher Zukunft noch ein Rückblick außerhalb der Rolle (OT) folgen. Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit Magdalenas Geschichte.

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Die erste Nacht

Ich gehe langsam, zögere immer wieder. Noch fünf Stufen. Noch vier. Ich bin nicht sicher, ob es nicht ein Fehler war, herzukommen. Kurz halte ich inne. Niemand da, noch keiner hat mich gesehen. Ich könnte einfach umdrehen und wieder gehen und keiner wüsste, dass ich hier war. Aber es ist dennoch wichtig, dass ich hier bin. Ich habe eine Aufgabe. Also gehe ich weiter. Zögerlich, aber ich gehe weiter.
Nachdem ich über die Türschwelle getreten bin, lasse ich den Blick durch den Raum schweifen. Viele mehr oder minder bekannte Gesichter. Einige vermisse ich noch. Und eines steuert zielstrebig auf mich zu.
Samuels Gesichtsausdruck und sein zackiger Schritt lassen einen gewissen Zorn erahnen. “Wo bist du gewesen?”, zischt er mich an. Ich weiche instinktiv zurück, zeige die Zähne. “Weit weg.” Er treibt mich weiter zurück, macht mir Vorwürfe. Sie hätten mich gebraucht. ER hätte mich gebraucht. Ich schnaube, halb angewidert, halb lachend. Was fällt ihm nur ein, so mit mir zu reden? Für wen hält er sich eigentlich? Dann gehen wir auseinander.Ich schaue dem elenden Malkavianer nach und dann, zwangsläufig, fällt mein Blick auf IHN.

Gideon.

Ich erstarre in der Bewegung, das Blut in meinen Adern gefriert. Dann treffen sich unsere Blicke. Seiner ist nicht zu deuten. Und ich ziehe mich vorsichtig zurück. Die Emotionen in meiner Brust wallen auf, ich muss mich sammeln. Der Hass und der Schmerz vieler Jahre ohne ihn. Die Enttäuschung und Trauer über den Verrat, den er an mir begangen hat. Und zugleich diese widerliche, aber doch so starke Zuneigung. Liebe. Das Gefühl, tiefster Verbundenheit. Ich lehne mich an eine Säule, schließe die Augen. Versuche, die Fassung zu bewahren.
Als ich die Augen wieder öffne, bin ich kalt wie Eis. Meine Gefühle habe ich in der hintersten Ecke meines Herzens eingepfercht. Schließlich folge ich Gideons auffordernder Geste und setze mich an seinen Tisch. Er hat mir den Platz neben sich angeboten, doch ich halte es in Anbetracht der Situation für angemessener, den massiven Holztisch zwischen uns zu haben.
Während er in aller Ausführlichkeit darlegt, dass er mich ja schmerzlich vermisst habe und wie enttäuscht er darüber sei, dass ich einfach verschwunden bin, fixiere ich abwechselnd ihn und Samuel, der nicht von seiner Seite weicht. Beide haben diesen vorwurfsvollen Blick. Und beiden würde ich am liebsten ausgiebig die Fresse polieren. Meine Fingernägel bohren sich in das Holz des Tisches und ich schüttele widerwillig den Kopf. Warum nur sitze ich hier?
Gideon ist mittlerweile dazu übergegangen, mir klar machen zu wollen, dass die Blankenburg doch mein Zuhause sei und ich sie begleiten solle, wenn dieses Treffen vorüber ist. Ich lache wieder nur, diesmal eher verzweifelt. Denn auch wenn ich ihn gerne in Fetzen reißen würde - gleichzeitig will ich auch nicht mehr ohne ihn sein. Glücklicherweise gibt es ja noch Samuel. Jedes seiner Worte ist mir so unsympathisch, dass ich schnell wieder weiß, warum ich eigentlich überhaupt nicht auf der Blankenburg verweilen will. Dann endet das Gespräch mit dem Eintreffen der Gastgeberin. Wir erheben uns.

Richeza, die Fürstbischöfin zu Köln, hat zum Jubiläum ihrer Herrschaft geladen. Die alte Brujah ist immer noch genauso anmutig, genauso überzeugt von sich und ihrer Position wie vor vielen Jahren. Und Gideon hasst sie noch immer. Ich sehe es an seinem Blick als sie den Raum betritt, bevor ich schließlich die Situation ausnutze und mich aus dem Gespräch stehle.
Für mich ist klar, dass ich Gideon allein sprechen muss. Ohne Samuel. Allein der Gedanke an ihn lässt mich die Nase rümpfen. Was findet Gideon nur an diesem Kerl?

Ich bahne mir meinen Weg durch die Anwesenden. Die Domäne Kaiserswerth ist mittlerweile eingetroffen. Gereon von Rath herrscht dort, ein alteingesessener Ventrue. Er spricht mich an. Stellt sich vor. Als ich erwähne, dass ich nirgends fest beheimatet bin, preist er mir Kaiserswerth an. Ich danke zwar artig, muss aber innerlich lachen. Kaiserswerth! Dann doch eher die Blankenburg. Trotzdem - für einen Ventrue ist er schon bemerkenswert nett. Wenn auch anders als Gideon. Und schon wieder denke ich an ihn. Ich schüttele den Kopf als könnte ich meine wirren Gefühle dadurch loswerden, dann verabschiede ich mich von Gereon von Rath und sehe mich weiter um.

Auch Siegburg ist mittlerweile eingetroffen. Ohne Prinz. Scheinbar haben sie den letzten Statthalter, den Richeza eingesetzt hat, einen Kopf kürzer gemacht. Siegburg fehlt mir manchmal. Auch wenn es nicht mehr so viele der alten Gesichter gibt. Katharina ist noch da. Felix. Der Rest ist mir mehr oder minder fremd, aber dennoch scheinen sie zum üblichen, lockeren Siegburger Volk zu gehören. Ich mag die Mentalität dieses Städtchens. Vielleicht sollte ich irgendwann zurückkehren.
Ich unterhalte mich hier und da, man kennt mein Gesicht. Vielleicht erkennen sie mich auch einfach auf Grund der Hörner. Haben halt nicht so viele, sowas.
Dann trifft mein Clan ein. Jaroslav, der sich mittlerweile zum “Fürsten des Waldes” ausgerufen hat. Hedwig, noch immer wortkarg. Die restlichen Gangrel sind auch nicht unbedingt gesprächig. Ich wechsele hier und da ein paar Worte. Aber am Ende habe ich doch immer wieder nur Augen für Gideon. Verflucht nochmal.
Wieder ergreift mich der Zorn auf ihn. Der elende Mistkerl hat dich bezirzt, dich mit Hilfe seines Blutes an sich gebunden und dich benutzt, Magdalena. Du hast ihn gerne, aber du weißt selbst nicht mehr, wie viel davon echt ist. Vergiss das nicht.
Ich bete mir die Worte wieder und wieder vor, aber ich komme zu nichts. Am Ende sehe ich mir selbst dabei zu, wie ich Gideon kurz alleine abpasse und ihn um ein Gespräch unter vier Augen bitte. Er willigt ein. Wenig später treffen wir uns draußen. Der Nachthimmel ist verhangen, dennoch ist es eiskalt. Wir gehen ein Stück, dann bleiben wir an einer Mauer stehen mit einem Blick auf das Tal.
Warum ich nicht wiedergekommen bin, fragt er mich. Und ich kann nur den Kopf schütteln. “Das weißt du genau, Gideon. Weil du mir meine Sinne genommen hast. Weil ich nur noch frei entscheiden kann, wenn sehr viel Distanz zwischen uns liegt.” Ich seufze. Und er versucht es wieder. Er lächelt. Streckt die Hand nach mir aus. Ich weiche zurück. Und muss bitter lachen. Ein Ventrue und eine … Ziege. Ich würde es ja selbst nicht glauben, wenn mir jemand davon erzählen würde. Gideon versucht alles. Er nutzt seinen Charme, doch ich blocke ab. Wir kommen uns näher, dann weiche ich wieder zurück. Am Ende gehen wir frustriert auseinander. Er, weil er seinen Willen nicht bekommen hat. Ich, weil ich nicht einmal mehr weiß, was mein Wille eigentlich ist.

Die Gespräche aller anderen Anwesenden drehen sich in dieser Nacht vor allem um die Umbrüche, die die Gesellschaft der Kainskinder bewegen. Die Camarilla wurde gegründet. Eine Sekte mit starkem Bestreben nach Ordnung und Geheimhaltung. Ihr entgegen steht der Sabbat, das finstere Chaos. Dazwischen jene, die sich keiner Sekte zugehörig fühlen wollen. Und alle hier vertretenen Domänen müssen sich entscheiden. Manche Tendenzen sind schon abzusehen. Köln und Kaiserswerth sind der Camarilla recht nahe. Siegburg hat keine wirklich Ahnung, aber sie sind dem Sabbat wahrscheinlich näher. Gideon hasst die Camarilla, für ihn ist die Freiheit wichtiger. Also fassen er und Samuel den Entschluss, dass Siegburg, Blankenburg und Lennep (dort sitzt ein Kind von Gideon) ein schönes Bündnis unter Gideon bilden könnten. Mir erzählen sie davon nichts, beide trauen mir nicht mehr genug. Aber wie schon immer habe ich gute Ohren. Solche Dinge entgehen mir nicht.

Zwischenzeitlich gerate ich in ein Gespräch des gesamten Ventrue-Clans. Eigentlich hatte ich nur aus der Ferne geschaut, doch Gideon zieht mich hinzu und stellt mich seinen Clansbrüdern als eine Vertraute vor. Ich fühle mich falsch zwischen ihnen … und dennoch gebe ich gute Ratschläge. Sie hören mir zu. Aus irgendeinem Grund akzeptieren sie mich. Vielleicht brauchen sie eine Stimme der “Niederen”. Ich schüttele mich. Das ist sicherlich nicht die Position, in der ich sein möchte. Und dennoch … Das Gefühl, irgendwie dazu zu gehören und Dinge lenken zu können … Früher hat mich das nicht interessiert, aber jetzt gerade … irgendwie reizt es mich.

Verwundert über meine eigenen Gedanken verlasse ich schließlich die Runde und mische mich wieder unter das Volk. Immer wieder verirre ich mich unter die Siegburger, gebe auch ihnen Ratschläge und werbe für Gideon. Gleichzeitig bleibt mir Samuel ein Dorn im Auge, doch ich verstehe selbst noch nicht so ganz, was eigentlich mein Problem ist. Und dann fällt irgendwann der Groschen. Ich sitze gerade mit Gideon und Samuel am Tisch, als letzterer aufsteht und den Tisch ohne große Worte verlässt. Gideon macht Anstalten sich ebenfalls zu erheben, hält sich aber zurück und blickt Samuel einfach nur nach. In diesem Moment begreife ich. Ich kenne diesen Blick. Es ist der Blick, mit dem ich IHM nachsehe, wenn er geht. Die Art und Weise, wie Gideon Samuels Nähe sucht.
Das, was die ganze Zeit über schon in mir gärte, beginnt zu kochen. Eine Welle rasender Eifersucht überrollt mich und ich entferne mich vom Tisch. Wenn ich mich nicht beruhige, tue ich etwas sehr Dummes. Also stürme ich nach draußen. Ich stapfe grollend durch den Burghof, begegne einzelnen Individuen. Dann plötzlich Samuel, der mir sagt, ich solle auf Gideon aufpassen. Und während ich mir noch mit mir selbst uneins bin, ob ich lieber ihn zerreißen oder Gideon schützen möchte, tragen mich meine Füße bereits zu dem Einen, den ich irgendwie liebe. Und hasse. Aber liebe.

Ich fordere erneut ein Gespräch. Wir treffen uns wieder an derselben Stelle. Und ich konfrontiere ihn mit meiner Beobachtung. Aber er bestreitet es. Sagt mir, ich solle nicht dumm sein. Kommt mir näher, schmeichelt mir. Zieht dann mit der rechten Hand langsam seinen linken Ärmel nach oben und bietet mir sein Handgelenk dar.
Ich erinnere mich an den Geschmack. Lange habe ich nichts so Süßes mehr gekostet. Ich bin so versucht. Wenn ich jetzt trinke, muss ich nicht mehr denken. Ich muss mich nicht mehr wehren. Ich kann mit ihm gehen und die Blankenburg mein Zuhause nennen. Ich kann aufhören zu kämpfen. Und doch wäre ich dann nichts anderes, als eine weitere Marionette Samuels. Ich wäre in Ketten. Nie wieder frei.
Ich weiche angewidert zurück und herrsche ihn an: “Wie kannst du es wagen? Was fällt dir ein, dich zu dieser Geste zu erdreisten? Ist dir klar, welche Schmerzen du mir zugefügt hast mit deiner Entscheidung, mich gefügig zu machen? Über Jahre hinweg hat es mich all meinen Willen gekostet, mich von dir fernzuhalten. Es tat körperlich weh. Und nun, da ich wieder klar denken kann, bietest du mir das erneut an?” Ich vergesse mich fast, während er beschwichtigend versucht auf mich einzureden. Dann beruhige ich mich irgendwann doch. Denn auch wenn ich lieber gehen will - seine Nähe ist zu schön. Ich habe ihn vermisst. So sehr. Und trotzdem … da ist immer noch Samuel. Er ist im Weg. Und er ist eine Gefahr für Gideon. Und damit auch für mich.
Noch während wir dort Seite an Seite stehen und schweigend, beschließe ich, dass ich Samuel loswerden muss. Ganz.

Als erstes setze ich meinen Clan davon in Kenntnis, als wir uns später in der Nacht zusammensetzen und uns über den aktuellen Stand in den Domänen austauschen. Ich werbe für Gideon, aber erzähle allen auch gleichzeitig, dass Samuel ihn beeinflusst und dass ich ihn tot sehen möchte. Sie wissen jetzt von Gideon und mir. Keine Details, aber wahrscheinlich können sie sich das meiste eh denken. Dennoch widerspricht mir niemand. Jaroslav weist mich nur darauf hin, dass ich zumindest Richezas Einverständnis haben sollte. Immerhin ist es ihr Grund und Boden. Ich nehme den Ratschlag dankend an und setze ihn umgehend in die Tat um.
In einem langen und umständlichen Vortrag versuche ich ihr verständlich zu machen, was mein Problem ist. Am Ende frage ich einfach nur, ob sie es für legitim hält, jemanden zu töten, wenn man damit jemanden retten kann, den man liebt. Sie bejaht. Ich nicke, dankbar. Und kehre kurze Zeit später wieder zu ihr zurück, um sie um die konkrete Erlaubnis zu bitten, Samuel zu töten. Es überrascht mich nicht wirklich, dass sie einwilligt. Sie verweist mich sogar an Gereon von Rath. Der macht sich nämlich ebenfalls Sorgen um seinen Clansbruder. Und ich ziehe dankbar weiter, um selbigen um seine Hilfe zu bitten. (Heute ist mir übrigens bewusst, dass mich mein reger Kontakt zu Richeza und Gereon viele Sympathiepunkte gekostet hat bei den Anwesenden, die nicht zur Camarilla stehen. Aber in diesem Moment war das irrelevant für mich, es zählte nur Gideon.)
Der alte Ventrue sagt mir seine Unterstützung zu. Und kurz darauf verschwinde ich, um mich zur Tagruhe zu begeben. Ich habe Pläne zu machen.



Die zweite Nacht

Ich bin noch nervöser als in der letzten Nacht, als ich die Räumlichkeiten betrete und mich umsehe. Es ist noch kaum jemand da, interessante Gesprächspartner kann ich noch keine entdecken. Nur Gideon sitzt dort. Bestellt mich wieder zu sich. Und diesmal setze ich mich neben ihn.
Wir drehen uns im Kreis, am Ende geht es wieder um dasselbe. Ich soll ihn begleiten. Ich weigere mich, weil ich nicht mit ihm komme, solange er Samuel hörig ist. Er streitet es ab und unterstellt mir, dass ich mir alles nur einbilde. Ich werde wütend, er wird wütend. Irgendwann bin ich so genervt, dass ich den Tisch verlasse.

Ich warte auf Gereon von Rath. Er ist wichtig für mich, denn er muss Gideon ablenken, wenn ich Samuel zur Rede stelle und anschließend töte. Das ist mein Plan. Als Gereon dann irgendwann erscheint, sagt er mir seine Unterstützung für diesen konkreten Plan zu und positioniert sich in Gideons Nähe. Doch die Zeit vergeht und ich erwische Samuel einfach nie alleine.
Irgendwo sei ein Ritual im Gange, hört man die Anwesenden munkeln. Und Gideon will mich dorthin schicken, weil es angeblich Blutsbänder brechen soll. Ich höre mir die Theorien an und lache nur, als ich erfahre, dass sich viele aneinander binden, um andere Bande zu brechen. Ein schlechter Scherz. Lieber bin ich mit ihm verbunden als mit einem Haufen Chaoten.
Am Ende entscheidet Richeza, dass sie die Vorgänge nicht gutheißen kann und schickt ihre Ergebenen hinunter in den Hof, um dem Ritual Einhalt zu gebieten. Auch Gideon erhebt sich schließlich - und ich folge ihm. Es wird gefährlich, das weiß ich schon. Doch ich weiche nicht von seiner Seite. Nur kurz lasse ich ihn alleine, als er mich bittet, dem Lasombra, der das Ritual durchführt, eine Nachricht zu überbringen. Doch so schnell wie ich gegangen bin, kehre ich zurück. Ich habe mich entschieden. Damals wie heute stehe ich an seiner Seite.

Die Lage spitzt sich zu, Tremere und Tzimisce, die Ventrue gegen “den Pöbel”, alle streiten sich. Gideon bleibt auf der “sicheren Seite” stehen, stets bereit, die Seite zu wechseln, falls es notwendig sein sollte. Auch das wird mir erst jetzt klar. Er hat eben alles durchdacht.
Nach einiger Zeit gesellt sich Samuel zu uns. Ich versuche, ihn zu provozieren, will ihn zur Rede stellen. Doch die beiden haben Pläne. Richeza ist fast alleine oben in der Burg. Also machen Gideon und Samuel sich auf den Weg, sie wollen Rache. Ich folge.
In mir streiten sich viele Fronten. Ich könnte ihnen helfen. Oder nicht. Ich könnte … Ich weiß nicht was ich könnte oder will. Gerade kann ich nur eines: Gideon nicht von der Seite weichen. Ich weiß, dass er gleich einen großen Fehler machen wird. Und ich weiß nicht, ob oder wie ich ihm wirklich helfen kann. Dann sind wir auch schon oben.

Außer Richeza ist nur noch eine Toreador im Raum. Gideon tritt von links an beide heran, spricht laut und deutlich. Er bereitet eine Rede vor, wie immer sucht er den großen Auftritt. Dann trifft Richezas Blick den meinen. Fast unmerklich nickt sie in Samuels Richtung, der sich von rechts an sie heranwagt. Und ich nutze den Moment.
Sowohl Gideon als auch Samuel sind so abgelenkt, dass sie nicht bemerken, wie ich mich Samuel lauernd von hinten nähere. Ich springe ihm in den Rücken, bohre meine Klauen, die ich am heutigen Abend dauerhaft zeige, in sein Fleisch. Wir ringen miteinander, taumeln durch den Raum. Am Ende prügele ich so lange auf ihn ein, bis er in Starre am Boden liegt.

Ich lasse von ihm ab und springe auf. Richeza und ihre Begleiterin stehen vor Gideon, er ist an die Wand gedrängt. Kurz ergreift mich Panik. Sorge. Dann springe ich dazwischen. Ich drücke ihn an die Wand, sorge dafür, dass er sich nicht wehren kann. Und zugleich verteidige ich ihn vor Richeza. Es fallen Worte, doch ich kriege gar nichts mit. Gideon hinter mir flucht und versucht erneut mich einzuwickeln, damit ich ihn loslasse, doch mein Drang danach, ihn zu schützen, ist stärker.
Schließlich betritt Gereon von Rath den Raum. Sowohl er als auch Richeza drängen mich dazu, Samuel den Rest zu geben. Ich übergebe Gideon an Gereon, allerdings nicht ohne mir vorher versichern zu lassen, dass ihm nichts geschehen wird. Dann schlage ich zu und versetze Samuel den letzten Stoß. Er stirbt unspektakulärer, als ich es mir erhofft hatte. Doch ich verspüre Genugtuung.

Gideon schreit. Der Bruch des Blutsbandes ist so deutlich, dass nun niemand mehr daran zweifeln kann. Er beschimpft mich. Sagt, dass ich ihm die letzte Verbindung genommen habe. Ich werde starr. Kurz überlege ich, auch ihn zu töten. Doch dann versucht Gideon erneut, auf Richeza loszugehen. Also werfe ich mich wieder dazwischen und gebe ihr schließlich das Versprechen, auf ihn aufzupassen.
Sie geht nach unten auf den Hof, um die Lage dort zu beruhigen. Alle folgen ihr. Wir bleiben zurück. Gideon redet auf mich ein. Das sei unsere Chance, wir müssten sie töten. Richeza hätte es verdient, sie sei auch nicht besser als alle anderen. Und je länger er redet, desto eher glaube ich ihm. Schließlich führe ich ihn nach unten. Immer wieder versucht er, irgendwen anzugreifen und schafft es nur nicht, weil ich ihn halte. Ich bin gefangen zwischen allen diesen Eindrücken, aber irgendwo tief drinnen wird mir schon jetzt klar, dass Gideon verloren ist. Er ist so voller Hass. Er keift und flucht. Und wahrscheinlich wird er nicht davon loskommen solange Richeza lebt.

Auf dem Hof wird wieder diskutiert - oder immer noch. Alle reden durcheinander, überall sieht man Waffen. Manche sind vom Hof verbannt worden, manche sind abgereist. Manche sind tot. Aber keiner wagt es, wirklich den Aufstand zu proben.
Gideon wittert erneut seine Chance und ergreift das Wort gegen Richeza. Ich lasse ihn jedoch nicht an mir vorbei. Lange Zeit halte ich ihm und seinen Worten stand. Dann irgendwann tritt Jaroslav heran und fordert die Umstehenden auf, Gideon eine Waffe zu geben. Dieser nimmt sie dankbar entgegen. Schwingt noch einmal große Reden. Dann lasse ich ihn los.

Blind vor Wut rennt er hinein in die fünf Bewaffneten, die Richeza verteidigen. Sie schmettern ihn zurück, er prallt gegen mich. Einen Moment wird mir schwindelig, ich versuche nicht zu fallen. Dann liegt er plötzlich am Boden.
Es ist unzählige Jahre her, dass ich meinen letzten Atemzug tat und viele menschliche Eigenschaften habe ich bereits vergessen, doch jetzt, in diesem Moment, der sich wie ein ganzes Jahrzehnt anfühlt, kann ich spüren, dass mein Herz bricht. Ein schrilles Klirren jagt durch meinen Kopf. Ich höre mich schreien. Um nicht wahnsinnig zu werden vor Schmerzen, reiße ich die Augen auf und richte den Blick auf all jene, die beteiligt waren.
In blinder Wut gehe ich auf Geryss los. Sie ist meine Clansschwester. Und sie hat geholfen, ihn zu töten. Zu töten. Gideon ist tot. Ich schlage auf sie ein, ringe auch mit ihr, wie zuvor mit Samuel. Doch sie ist stärker als ich und irgendetwas lässt mich zurückweichen. Sie folgt mir nicht, lässt mich gehen. Heute würde ich mir wünschen, sie hätte mich einfach getötet. Schlussendlich fällt mein Blick wieder auf ihn. “Gideon…” Es ist nur ein Flüstern, aber es sagt alles aus.
Richeza bittet darum, dass man ihn anständig bestatten möge. Und ein letztes Mal hebe ich ihn vom Boden und bringe ihn fort.

Ab hier ziehen die Ereignisse nur noch in Schemen an mir vorbei. Früher habe ich mich immer gefragt, warum manche der Unseren so dumm sind, ihr eigenes Blut zu verbrennen um menschlich zu wirken. In dieser Nacht bin ich dankbar für die Möglichkeit, Tränen zu weinen, die zwar nicht echt sind, sich aber dennoch so anfühlen.

Ich bin taub. Nehme alles nur noch durch einen Schleier wahr. Irgendwann finde ich mich neben Jaroslav wieder. Er tröstet mich. Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht klar, dass er dafür gesorgt hat, dass Gideon die Möglichkeit zum Sterben bekam. Vermutlich weil Jaroslav mich befreien wollte.
Um mich herum streitet man sich darüber, wer nun die Blankenburg bekommen soll.
“Ich möchte sie haben”, sage ich leise. “Sie hat IHM gehört.” Jaroslav deutet in Richtung der Obrigen, die schon andere Pläne gemacht haben. “Dann geh und hol sie dir. Du solltest schneller sein als ich.”
Ich senke beschämt den Blick. “Ich bin nicht stark genug.” Es schmerzt, aber es ist wahr. Auch Jaroslav weiß das.
Ich bin wenig überrascht, als er den neuen Blankenburger Statthalter wenig später tötet und sie selbst beansprucht. Passt zu ihm. Ich bin schon im Inbegriff, wütend zu werden, doch im Vorbeigehen teilt er mir mit, dass ich die Verwaltung übernehmen könne, wenn ich es mir zutraue. Ich nicke.

Mein Blick fällt auf Gideons Glas, das noch immer auf dem Tisch steht, an dem er vor ungefähr einer Stunde noch gesessen hat. Ich nehme es und schenke mir frisches Blut ein. Die Hälfte trinke ich sofort.
Im Anschluss trete ich vor Richeza, das Glas auf die Art und Weise schwenkend wie Gideon es tat. Ich setze sie davon in Kenntnis, dass ich ab sofort die Blankenburg verwalten werde. Sie nickt, dann spricht sie mir ihr Beileid aus. Ich danke ihr. Dann trinke ich den Rest des Glases aus, packe es in meine Tasche und gehe.

Die Treppen nehme ich noch langsam. Auf dem Burghof blicke ich mich um. Es ist stiller geworden. Ich setze einen Fuß vor den anderen. Zu rennen beginne ich erst, als ich den Waldrand erreiche. Ich laufe, als ginge es um mein Leben. Noch einmal laufen mir die Tränen über das Gesicht. Vergessen ist der Hass, da ist nur noch der Verlust übrig. Als ich mich unbeobachtet fühle, bleibe ich stehen und ein markerschütternder, endlos wirkender Schrei lässt den Wald erzittern, als ich dem Schmerz freien Lauf lasse.
Dann Stille. Ich verharre kurz. Dann renne ich weiter. Ich will nur noch weg. Nur noch alleine sein. Nur ich und mein Schmerz. So soll es sein. Ich schlage den Weg gen Blankenburg ein.

Montag, 19. März 2018

#59 Vom Gefühl, zu versagen.

Ich schreibe nur noch sehr wenig im Moment. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte. Tatsächlich fühle ich mich in den letzten Wochen unglaublich disconnected, wahnsinnig weit entfernt von meinen Freunden, meiner Umwelt. Aber aus dem selben Grund, aus dem ich kaum noch schreibe melde ich mich auch seltener und führe weniger intensive Gespräche.

Was much davon abhält, ist das stetige Gefühl, versagt zu haben. Ja, ich arbeite an mir und ja, ich löse Probleme. Aber gleichzeitig gibt es auch diese Dinge, die sich immer und immer wieder wiederholen. Und jedes Mal, wenn ich dann wieder in einem Loch versinke, jedes Mal, wenn ich wieder meinen Kampf kämpfe, jedes Mal wenn wieder die Tränen laufen, schäme ich mich. Ich schäme mich, weil ich es schon kenne. Weil ich solche Tage schon so oft überstanden habe und weil ich dennoch, obwohl ich es so oft hinbekommen habe, doch immer wieder da lande.
Meinen Freunden will ich teilweise schon gar nichts mehr davon erzählen, weil ich immer nur denke: "Joa, kennen wir schon. Du wusstest beim letzten Mal schon keinen Rat, ich wusste beim letzten Mal schon keinen Rat. Dann kann ich es ja auch gleich lassen und dich einfach nicht damit belästigen." Und genau so ist es mit dem Schreiben. Was bringt es schon, dasselbe Thema wieder und wieder aufzugreifen? Mittlerweile hat wohl jeder kapiert, dass ich nicht gut allein sein kann. Dass ich mit Eifersucht und Verlustangst zu kämpfen habe. Dass ich viel zu oft und viel zu schnell überfordert bin. Nix Neues, oder? Also warum nochmal darüber schreiben?

Ich bin frustriert, weil ich all das sehe und begreife, weil ich meine Probleme kenne und weil ich teilweise auch Lösungsansätze habe, aber trotzdem passiert es immer wieder. Ich habe dennoch immer wieder Tage, die ich einfach nur "überstehen" muss. Und ich bin es so Leid, mein Leben damit zu vergeuden, Dinge einfach nur zu überstehen. Aber egal wie sehr ich all das durchblicke, am Ende kommen diese Tage eben doch immer wieder. Und vielleicht ist es die Kunst, diesen Umstand einfach anzunehmen. Aber gerade kann ich das nicht. Das alles macht mich müde.

Sonntag, 4. Februar 2018

#58 Thanks to my anxiety.

It sounds so weird, when I say, that, all in all, I am thankful for my anxiety. Of course, I am not thankful for being a person with a mental illness. But that doesn't change the fact, that I am thankful for the experiences I made because of my anxiety. And that I am the person I am right now because I experienced what I experienced. So let me sum this up by wiriting a special letter.


Dear anxiety,
you might not have seen that day coming, but here I am, smiling at you while saying 'Thank you!'
I was 14 when you put me in chains for the first time. And since then I seemed to be your victim, your hostage. For more than half my lifetime. But as you might have recognized, I raised against you. And here I stand. 
I tried nearly everything. Fighting you brutally, repressing you, running from you, ignoring you. I fell and I stood up again, ready for the next fall. And then, one day, I realized, that there is another chance. So I took all of my courage and faced you. I looked you in the eye. And then, after staring and staring, after rivers of tears and so many tries, I accepted that you are a part of me. 
You have been a part of my life for such a long time, your presence left marks on my soul. So by fighting you, by trying to get rid of you, I would fight parts of myself. And that's when I decided, that I had been at war with myself far too long. It was time for cooperation.
By facing you, strange things happened. I suddenly began to understand what happened to me those days when the lights go out. Also I figuered out, that your existence - and all the things you made me do in the past - where not my fault. I did the best I could. And now, that I knew, I had the chance to do much better.
But most of all you taught me how beautiful good moments are. There is no light without darkness. I know, other people make these experiences as well, without being ill that way. But I am not other people. 
I am the one who feels so deeply, that watching a movie could stun me for minutes just because of the feelings flowing. The one getting goosebumps all over my body because of hearing the first three tones of my favourite song. The one crying honest tears while listening to people's stories. The one being so empathetic, that I am able to feel things I didn't even experience myself.
When I started embracing you, I started embracing all the sensitivity you gave me. And I started embracing the ability to be thankful.
Today I sit here, happy as I never was. And I wouldn't be as happy as I am if I wouldn't have had you, showing me that it was definitely time to look at you. To look at myself. To find solutions. To rally. So I did. And I realized what a strong, stubborn woman I am. For the first time in so many years now I know who I am without being afraid constantly. For the first time in years I really felt the beauty in building up the kind of life I want to live instead of hiding parts of myself in a black box down in the basement while trying so much not to get hurt. I am someone. And I think I wouldn't know it that way, if I wouldn't have had you. So thanks for the awakening.

Mittwoch, 31. Januar 2018

#57 What birth is like.

Three goddamn weeks. Pain and trouble, tears and shivers, grey and cold, dark days and everlasting nights. Three weeks. Giant exhaustion. I AM SO TIRED. All of these ups and downs. So many topics. So many walls to tear down.

There have been so many points, where I would have run if I wouldn't love him so much. Not because he made mistakes, not because of anything being his fault. Of course, he is not perfect. But who is?
So thing is, that my old stuff came up with all its power in the last weeks. When I look back now, I know all of these topics. But all of them came with surprise und with an intensity I didn't expect. Again, I had days of not being able to work. Days of being at work but crying nearly all the time. Days of "Come on, just get the fuck through this!". Three weeks of everyday struggle, of discussions and talks, with him and with friends. Three weeks of saying the same things again and again without knowing if I will ever get answers to my questions.

Two days ago we made the decision to take a break from struggling. Time for ourselves. Time for us. Time for recovering. Time for routine. Time for breathing.
So since yesterday I feel like returning. I am able to feel myself again. I am joking, laughing, smiling, even working,  wholeheartedly. It gave me goosebumps today when I realized who I am without constantly being afraid. And most of all I already started to find answers - right in the moment I stopped seeking.
He told me months ago, that all of this is about what I WANT for my life. It's about what I WISH. So ... as usual I was late again. And the last three weeks have been the birth place of my realization of exactly THIS. I am creating my life. I am the architect. I am not here to fit in, to be easy or assimilated. I am here to show who I really am. And I deserve to be happy.

Three weeks of hell. But god, I have learned so much. I found new strategies to deal with difficult situations. I was so brave, trying new things, adjusting my priorities. And I won. Experience. Encouragement. Acceptance. Respect. Connection. I started treating myself with self compassion. I started embracing the feeling of having strong emotions on one, but being able to make intelligent decisions on the other hand. And I can feel the beauty in all of this.

Three weeks of pain. But that is what birth is like. Its hurting. And then, something beautiful is born.

Montag, 1. Januar 2018

#56 The danger in hope. The chance in danger.

So ... It wouldn't be me if I wouldn't have found another big topic to start my new year with. It struck me a few days ago, when I read an article about late moms:
"Hello ... Remember me? I'm your biological clock. We've been talking a few years ago, you kinda ignored me since then. Now I decided that it's time to talk. And ... well ... I hope it's okay I brought a friend home? His name is Panic, you might have met before."
Well, thanks. As a really good friend of mine said: "Ah ... That's another of these silvester things ..." Awesome.

Thing is, the biological clock itself wouldn't be that much of a problem - but while I am quite certain, that I would really like to have children in a few years, the love of my life is quite certain that he does not. And I've never been in a relationship with a man who didn't want to have children. I had "Not yet.", lots of that. But never a "Nope". And while my life changed so much in 2017, I cancelled all of my future plans and decided to enjoy what I had right in the moment as much as I could. That kinda worked. Until that moment, a few days ago.

For the first time I realized, that this relationship could be endangered. Really endangered - not by all that "wishi washi daily fears stuff". The question "Children or none?" could be a dealbreaker. And in worst case, I might be working some years on something I would want to last a lifetime - just to realize then, that there couldn't be an "us" anymore, because our plans wouldn't fit.

We've been talking about it. About our points of view, about sharing the fear to lose each other. Realizing that I suddenly really started to question "us", to ask if we'd waste each others time ... it hurt both of us. But while he didn't seem to make any move to escape, my flight instict set in instantly. And I had a quite hard time, finding my way back to "us".
It didn't take me long to realize, that my goal was set. I want this relationship. I want him. No matter what might be in a few years. But between knowing what I wanted to decide and making the decision with all my heart, I had to fight the risk minimizer, sitting in my breast for years now, being my own true love-hate. I had to get rid of my enormous craving for (the illusion of) control. I had to feel, that this love is worth any risk.
But there was another discovery to make. All the time I was stuck in thinking, that my biggest problem was, that I was always focusing on the worst case, drawing bad scenarios, hurting myself that way. Now I know that this wasn't the crucial point. Indeed, it hurts to do so. But what really paralyzed me again and again in my life was that I forbid myself to hope.
Because hope is dangerous. There is only a thin line between hopes and expectations. And if you hope, if you expect, you could be disappointed. If you hope, you make yourself vulnerable. And if you started to do so, you can't stop it anymore. You are losing control. So you better don't even start to hope. And with this, you get another problem. Because if there is no hope, things might never turn out well. So all I could do was to run. And so I did, many times.
I realized it last night, laying awake, watching his face while I could already feel myself packing up my things, running. But I was too stubborn to give in to fear. I love him so much, I can't accept that my thoughts or emotions are able to divide us. So I thought it through, again and again. Until I found my mistake. And when I realized that I am allowed to hope that this might turn out well, I instantly broke down in tears, feeling an endless relief while I was flooded with love.
I made my decision. Of course, I don't know if our positions might fit in a few years. But how could I leave him without knowing? How could I hurt myself that much by losing the best thing that ever happened to me without being able to tell myself that I tried everything? So I will stay. I will hope. And I will embrace my vulnerability, again. For this is real beauty.



Thanks to all of my girls, who gave me the chance to settle my thoughts in the last days. I am so lucky to have friends like you!

And thanks to you, my love, for being so faithful, showing me your vulnerable side - just a much as granting me stability and security by simply being there and staying by my side - again and again. Thank you for being you.

Montag, 18. Dezember 2017

#55 A(nother) year of babysteps.

When I start looking back on 2017, I can't even believe that it's nearly over.
When you are young, adults always tell you, that time is passing by faster the older you get. And they were right. Two weeks until 1st January 2018. And it still feels as if 1st January 2017 was yesterday.
At the same time, so god damn many things happened. And I am so bad when it's about remembering. But 2017 was different in so many ways. There are so many memories, being as tangible as if they were brandings on my skin. Though, I'm not going to talk about each and every of those moments. I'm going to talk about what 2017 taught me. And that is quite a lot. So let me share my most important experiences.

The first lesson in 2017 was: Running away doesn't lead you anywhere.
You never reach anything, you are completely helpless and useless at the same time when you are running away in panic. Running killed several relationships and friendships in my life, so it did in 2017. And though I started facing my fears already in 2016, it needed another year to realize how serious this point is - and how much more effort I needed to put in it. So I did. And I grew. I'm still working on it, this is going to be some kind of lifetime progress. But my ability to face my fears and to talk about them has grown. Which makes me really proud.

Second lesson of this year is: Every end is a new beginning.
It can hurt so damn badly, when you realize, that you have to let go of people you loved, plans you had, a future you imagined. Saying Goodbye, leaving, moving on - it's never easy. And sometimes it might shatter your heart with a big boom and you might think, you would never find a way out of the mourning, the pain and the need of ice cream or Nutella right out of the glass at 7 in the morning. But you ALWAYS heal. It goes on. And then comes the day when you realize that you moved on and that it doesn't hurt that badly anymore. So you will open your eyes, look around and see that new things have already begun. And that this is another chance for you to create the life you want to live. So use it.

Number three is some kind of never ending challenge for me - but so important to mention: Risk it! You will win, either way.
Anxiety is playing a big role in my life. The need of keeping myself safe is so big - there are days I am not even able to think about other things. But it's getting better and better and this year showed me how much better I got when it's about risking things, trying new things, giving chances to situations which seem to be out of my control or going through my life without constantly being ready to use my safety net. And what I found out again and again: Even if I lose, even if the worst case is happening, I will survive. I will get through this. And I will step out of it stronger than I was before. No matter what you experience - you will have grown afterwards.

The fourth lesson is not a really new one, because I heard the words before. But this year, I FELT them for the first time: You decide what you're worth.
I have asked myself so often if I was worthy enough to be invited to the party of XY or to be loved by Z or to get that job or whatever. But come on - who in hell decides what I am worth, except myself? It doesn't matter at all who invites me to a party or not, who loves me or not, who offers me a job or not. What really matters is what I allow people to do to me. What really matters is that I am my best friend on this way and that people who are not good for me or who don't give me a chance are definitely no people I should keep in my life longer than neccesary. It's my decision that I am worth anything. I am.

The fifth one is is a quite soothing one: Identifying good friends gets easier the older you get.
I finally have a picture of what real good friendships should be like. Most of all it's about being easy. And I do have these people. These beautiful, easy ones I could open up my heart to. These people, I could trust. People I would always have an ear for - or a place to sleep, a warm tea or a cup of ice cream. People who are always welcome. People who enrich my life. People who give me the feeling of being great, fearless. People who remind me of the good days to come when I'm drowning in my own tears. People who reach me their hands and help me getting back on my feet when I fall. It's no fighting and no fears. It's being each others advocate in a natural way, without the need to make an agreement before. All of these friendships have grown on their own, I just cultivated them a bit. And in the end, that's it: If it feels good and it's easy, it should be.

Number six is something, that needed to be corrected after many years on the wrong way. I really believed, that big fights are the end of friendships. So I refused to give second chances. But now I know: If somebody is fighting for your friendship, give them a chance - even if you thought it's lost.
Most of all there is one girl I owe all the special thanks when its about this topic. We had a fight in 2016. And also she has this property of being so damn honest it often hurts. Far too long this frightened me to death - so after our fight I tried to run from her. But she fought for our friendship. She tried to message me, tried to speak to me, tried to safe us. And she did, by being stubborn. So we built a new friendship, based on honesty and on the goal to make it easier. Und with this I regained my belief in friendships and their ability to survive fights.  I'm pretty thankful about that.

Number seven. Another discovery, another good friend I owe all the credits. I have been spending so much time and energy on other peoples stuff this year. And now and then I was close to losing myself in it - or at least I stressed myself. Too much. Thanks to her, I tried asking myself an important question now everytime I start to stress myself: "Whose Shit is that?" Such a helpful tool. I kept out of many, many conflicts that way. Staying serene is a good base for productivity. And by not directly involving myself in other peoples problems I have the chance to be a much better advisor. I totally enjoy that.

The most beautiful one is definitely number eight: Love always has another surprise ready for you.
So the important thing about surprises is, that you are not prepared for them. Let me tell you, I am always some kind of prepared. I am so good when it's about imagining upcoming situations, about pondering over possibilities. So I'm always prepared. But I wasn't prepared for this. I met a man. I found a love. And I could NEVER have imagined, that it would struck me THAT hard. I am used to feeling deeply. But loving him is beyond all borders. Waking up next to him is giving me these warm shivers morning after morning. Looking into his eyes gives me the feeling of being home day after day. Falling asleep in his arms makes me appreciate night after night. I wasn't expecting that. But I couldn't be happier.

And last but not least 2017 finally taught me, that I definitely do have a greatest passion. It taught me how to embrace my emotions. That feeling deeply, experiencing intensely, being shaken to the bones could be scary, but most of all it is a gift. It is life. And it's so beautiful. Connecting with people, getting closer by sharing thoughts and feelings. Going through joy and pain together. Finding out what luck means - to me and to others. Being honest and open. Being the one still standing after every fight. Crying tears of grief, anger or joy. Finding chances to evolve in every vulnerability of mine. Facing fears, no matter how f***** up it might feel right in that moment. Being myself with all the ups and downs. That's my greatest passion. And I will live it.


Thanks to all of you, who guided me through this year. Thanks to everyone who believed in me when I couldn't. Thanks to those who challenged or criticized me and gave me a chance to grow. Let's do this another year.